Es wird Herbst in Deutschland

Pünktlich zum kalendarischen Herbstbeginn schien der Sommer heuer „angezählt“, waren Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen vorüber:

„Du meinst, es ist Herbst“, kommentiert die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, während RTL-Wetterexperte Christian Häckl unkte, dass den Meteorologen selten eine Punktlandung wie diese geglückt sei:

Hat die Trockenheit viele Bäume schlichtweg „umgebracht“?

Tatsächlich entdecken wir auf vielen Fuß-, Rad- und Waldwegen bereits die ersten Blätter, die entweder gelb und verdorrt oder schon herbstlich bunt gefärbt sind.

Da schleicht sich bei vielen ein mulmiges Gefühl ein und fragen sich Naturfreunde und Hobbygärtner, ob dies auch mit der langanhaltenden Trockenheit der vergangenen Wochen zu tun hat? Müssen wir gar damit rechnen, dass manche der Bäume, die sich nun ihrer Blätter entledigen, dauerhaft verdorrt und damit so gut wie tot sind!?

Keineswegs, beruhigen die Experten vom LWF. Denn prinzipiell sind unsere Bäume auch auf längere Trockenperioden im Sommer bestens eingestellt und hätten sich die meisten der zuletzt untersuchten Gehölze als gesund und nach wie vor vital gezeigt: „Laubgehölze in Wald, Stadt oder Garten, die aktuell frühzeitig ihre Blätter abwerfen, sollten also keinesfalls vorschnell „abgeschrieben“ und umgesägt werden!“

Vielmehr dürften die meisten nach dem Winter wieder austreiben:

Der Laubabfall steht vor der Tür!

Doch zunächst einmal wird es deutschlandweit Herbst, haben sich die Bäume oftmals bereits im August verfärbt und beginnen nun – Mitte September – damit, ihre Blätter abzuwerfen. Durchaus früher als sonst, wie auch die Badische Zeitung konsterniert, die den Wald durch die vergangenen Wochen gestresst sieht. Hier spricht man von Wald Schäden, deren Ausmaß noch nicht klar erkennbar sei und sieht vor allem das nördliche Baden-Württemberg betroffen.

Das Austreiben der Bäume im kommenden Frühjahr dürfte damit spannend sein und – hier und da – auch zu einer Zitterpartie werden. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft erklärt aber zunächst noch einmal, was genau im Herbst passiert:

Während der herbstlichen Laubverfärbung wird eine Pigmentart nach der anderen abgebaut. Als erstes verschwindet das grüne Chlorophyll, das wichtigste Pigment für die Photosynthese!“

Ein Fest für Naturfreunde und Fotografen:

Da zunächst noch gelbe und rote Pigmente erhalten bleiben, entsteht die leuchtende Herbstfärbung, die viele von uns so lieben und die in Amerika Indian Summer genannt wird.

Dabei sind diese herbstlichen Vorgänge eine echtes Recycling und ein genialer Trick der Natur. Denn im Herbst wird nichts vergeudet. Vielmehr werde, laut LWF, ein Großteil der wertvollen Mineralstoffe aus den Blättern zurück in die Rinde und in die Wurzeln verlagert, wo die bis im Frühjahr gespeichert werden.

Der Baum wirft im Normalfall mit seinen Blättern also weitgehend nutzlosen Ballast ab. Und schützt sich damit vor Ast Bruch, da belaubte Äste und Zweige, die vom Schnee bedeckt sind, statisch ungünstig und viel zu schwer wären!

Auch schützt der herbstliche Laubabfall vor der Trockenheit des Winters. Biologisch betrachtet, gleicht eine verschneite Winterlandschaft und ein gefrorener Boden, aus dem der Baum kaum Feuchtigkeit aufnehmen kann, nämlich einer Wüste. Damit könnte ein Baum sogar mitten im Winter verdursten, würde an seinen Blättern weiter Feuchtigkeit verdunsten. Lediglich unsere Nadelbäume mit ihren aufgerollten, oftmals lederartigen Blättern sind vor diesem Phänomen geschützt und können damit ganzjährig ihren grünen Schmuck tragen.

Ein großer Kreislauf der Natur:

 Da die Blätter am Waldboden allmählich verrotten und mineralisiert werden, können auch die letzten Nährstoffe zurückgewonnen werden. Damit ist das Herbstlaub auch im heimischen Garten von großer Bedeutung, kann ruhig unter den Hecken liegenbleiben und dort nach und nach vermodern.

Zudem dienen Laubhaufen als Unterschlupf für viele Insekten und Kleintiere. Selbst Igel finden hier mitunter ein Quartier. Schwer nachvollziehbar also, warum nach wie vor viele Gärten blitzblank gefegt werden.

Allerdings haben sich, wie auch die Experten in Bayern beobachten, beim frühzeitigen Laubfall der letzten Tage viele Blätter gar nicht mehr „richtig“ verfärbt. Die wurden lediglich mattgrün und sind dann, verdorrt, von den Zweigen getrudelt: „Die Trockenheit kam offensichtlich so schnell und heftig, dass der geregelte Pigmentabbau nicht mehr ablaufen konnte“, befürchtet die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Infolgedessen konnten dann auch die Nährstoffe nicht mehr in den Baum zurückgeführt werden. Damit lagern nun wichtige Ressourcen auf dem Waldboden und können erst mühsam, im Lauf der natürlichen Zersetzungsprozesse, freigesetzt und danach – via Wurzelwerk – aufgesaugt werden: „Das dauert allerdings länger und kostet die Bäume mehr Energie, als das „normale“ Nährstoffrecycling im Herbst!“

Auch in Bayern rechnet man daher mit einigen mageren Jahren und einem deutlich verhaltenen Austrieb im kommenden Jahr; auch dünnere Jahresringe könnten die Folge sein.

Damit fordert der Supersommer (s) einen Tribut!

Nun steht der Herbst vor der Tür. Der könnte heuer indes weniger bunt als sonst sein!

Herbstlaub

Foto: Peter Hoffmann

Wie werden wir in der Zukunft leben?

Die Landflucht ist heute sogar für Wörterbücher wie den Duden ein Thema:

Hier erklären die Autoren den Begriff als eine Wanderbewegung, die meist mit den besseren Arbeits- und Lebensbedingungen in unseren Großstädten zu tun hat.

Urbanisierung schreitet fort!

Die Folge ist eine verstärkte Urbanisierung, eine Ausbreitung städtischer Lebensformen, die heute weltweit, aber auch in Deutschland in vollem Gang ist.

Die Folge sind viele Klein- und Mittelstädte, die allmählich veröden. Im Umkehrschluss steigen die Miet- und Immobilienpreise in jenen Kommunen und Metropolen, die besonders gefragt sind.

Auch RTL aktuell befasste sich unlängst mit dieser Thematik und sprach dabei von einer Schere, die immer weiter aufklafft. Tatsächlich müssen die strukturschwachen Regionen heute um jeden ihrer Einwohner kämpfen, während in Großstädten wie Köln oder München der Wohnraum äußerst knapp ist.

Hier, längs des Rheins, im Schatten des Kölner Doms, sind daher Hausboote ein neuer Trend. Zumal beim Kauf eines Hausbootes Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer oder Notargebühren wegfallen.

Beim Hausboot verhalte sich ähnlich wie beim Kauf eines Wagens, erklärte auf VOX „mieten, kaufen, wohnen“-Makler Christian Petri seinen Kunden und bestätigt damit, dass hier, beim Wohnen auf dem Wasser, allein der Makler für seine Dienste entlohnt wird:

Machen wir es bald den Holländern gleich?

Bei unseren Nachbarn in Holland sind Hausboote daher schon länger ein Trend und können hier auch von Urlaubern gebucht werden. Ein Lebensgefühl, das nun auch die Domstadt Köln erreicht hat. Auch der Kölner Stadt-Anzeiger befasste sich bereits mit diesem „Zuhause auf dem Wasser“ und sah darin, auch für Bremen, eine Vision der Zukunft, selbst wenn der Markt für Hausboote hierzulande derzeit noch klein ist.

Ideen gefragt:

Tatsächlich scheinen, aufgrund der Wohnraumnot in vielen Großstädten, Ideen und Visionen gefragter denn je zuvor. Auch die Welt orakelte daher schon einmal über das Aussehen der Städte der Zukunft und sieht dabei unter anderem in städtischen Farmen ein wichtiges Thema.

Ein Thema, mit dem sich auch die renommierte Wirtschaftswoche schon befasst hat. Hier geht man von städtischen Bauernhöfen aus, die hunderte Meter in den Himmel ragen, eine Idee, die auch als „vertical farming“ bekannt ist.

Das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen sieht in der urbanen Landwirtschaft und im urbanen Gärtnern ebenfalls einen wichtigen Ansatz und verweist dabei auch auf New York, wo schon länger mit mehrstöckigen Gewächshäusern oder auf den Flachdächern von Fabrikhallen experimentiert wird.

Freilich zeigt sich auch die Bundeshauptstadt Berlin in Sachen „Landwirtschaft der Zukunft“ am Puls der Zeit. Unter anderem machte hier nämlich bereits der TU-Dachgarten von sich reden.

Auch kommerzielle Stadtfarmen sind in Berlin schon länger aktiv; zudem kann sich hier jedermann und jede Frau in so genannten Mietbeeten austoben.

Berlins Stadtväter sehen darin, neben einer Verbesserung des Mikroklimas, dann auch eine verbessertes Verständnis für die Herkunft, den Anbau und den Wert von Lebensmitteln – ein Wissen und eine Wertschätzung, die gerade Großstädtern und deren Kindern rasch verloren geht!

Foto : Peter Hoffmann

Hitzeschäden allerorten

Wie sieht bei Ihnen zu Hause der einstmals so grüne und intakte Rasen aus? Vermutlich strohgelb und staubtrocken, so dass es sich, wenn man barfuß läuft, wie auf einem Stoppelfeld anfühlt!?

Ein Dilemma, das in Ziergärten ärgerlich ist, den Landwirten jedoch an die Existenz geht:

Futterernte in Gefahr!

Denn normalerweise würden die Grünflächen und Wiesen der Landwirte um diese Jahreszeit zum zweiten Mal abgemäht. Diese Mühe indes können sich unsere Bauern derzeit sparen, weil auch hier die Futtergräser auf den Nutzflächen schlichtweg verdorrt sind.

Vielerorts dürfte die zweite Futterernte des Jahres daher flachfallen und die Schäden damit enorm sein. Das übrigens nicht allein in Deutschland: So berichtet die Wiener Zeitung von gewaltigen Dürreschäden und geht von 100 Millionen (!) Euro Schaden aus. Denn auch das Getreide oder die Kürbisernte haben bzw. hatten unter der Hitze zu leiden.

Wer hilft unseren Städten und Gemeinden?

Doch auch viele Straßen- und Alleebäume sind nun in Gefahr. Daher bittet die Stadt Aachen ihre Bürger sogar beim Gießen der öffentlichen Grünflächen um Mithilfe: „Leider ist es dem Stadtbetrieb nicht möglich, alle Bäume im Stadtgebiet ausreichend zu bewässern. Daher sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Teams Baumpflege für jede Unterstützung durch die Aachenerinnen und Aachener dankbar“, erklären hier die Stadtväter und wissen, dass vor allem junge Bäume und Nachpflanzungen nun vom Trockentod bedroht sind.

Eine Problematik, die heuer besonders dramatisch, jedoch nicht neu ist. So warb der BUND bereits vor einigen Jahren dafür, mit anzupacken und dem wertvollen Grün in unseren Städten das Überleben zu erleichtern. Denn „besonders jungen Bäumen setzt die Trockenheit zu, viele gehen ein!“

Schließlich haben Bäume erst nach circa zehn Jahren ausreichend Wurzeln gebildet, um im Boden gespeichertes Wasser zu erreichen, erklären die BUND-Experten; zudem solle beim Wässern auch an die Fassadenbegrünung wie Efeu oder Sträucher in Pflanzkübeln gedacht werden.

Damit tun die Anwohner dann auch sich selbst einen Gefallen: Schließlich tragen Bäume und Sträucher zu einem verbesserten Kleinklima bei und filtern Staub und Abgase aus der Luft!

Feuchtgebiete fallen trocken:

Doch auch dort, wo ein Wassermangel scheinbar keine Rolle spielt, hat der heiße Sommer längst seine Spuren hinterlassen. So fallen viele Bäche und Flüsse zunehmend trocken und steht vielerorts die Schifffahrt vor dem Aus.

Und das auch im Bergland. Ja, dem Lago Maggiore gehe allmählich das Wasser aus, bestätigt blick.ch und macht damit auf die zunehmende Trockenheit im Tessin und in Norditalien aufmerksam.

Denn auch die Zuflüsse des Po führen kaum noch Wasser!

Ein Sommer, der es in sich hat:

Der Sommer und die Hitze haben es damit in sich. Denn laut Bauern Zeitung Online haben auch unsere rumänischen Nachbarn schwer zu leiden und drohen hier bei der Ernte vielerorts sogar Totalverluste.

Ein scheinbar idyllischer Waldsee. Doch bei vielen Bächen, Teichen und Flüssen sinkt der Wasserpegel dramatisch!

Im Garten müssen wir nun emsig wässern, damit die Blütenpracht nicht verdorrt!

Fotos: Peter Hoffmann