Disteln Distelgestruepp

Bei den Disteln irrt die Bibel: Ein Loblied auf das vermeintliche Ackerunkraut!

Die Bibel, zumal das Alte Testament, erwähnt diverse Tier- und Pflanzenarten. Neben Feldfrüchten und Gartenpflanzen auch die Dornen und Disteln, die bei den biblischen Autoren keinen allzu guten Ruf haben:

Denn „erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?“

Disteln als Strafgericht Gottes?

Disteln scheinen damit mehr eine Strafe denn ein Geschöpf Gottes zu sein. Eine Plage, die den Menschen das Leben schwer macht. Schließlich soll der Acker um deinetwillen verflucht sein, „Dornen und Disteln soll er dir tragen“, rügt Gott der Herr Adam, als der von dem verbotenen Baum genascht hat.

Dabei sind Disteln ökologisch äußerst wertvoll. Schließlich finden sich auf den Blütenköpfen der derart geschmähten Pflanzen stets zahllose Falter, Bienen und Fliegen. Denn „nicht nur der Distelfalter steht auf Disteln“, macht der Naturschutzbund NABU darauf aufmerksam , dass Disteln einen wahren Kleintierzoo darstellen und ihren Ruf als Ackerunkraut beileibe nicht verdient haben.

Doch der hält sich leider hartnäckig. Und das bis in unsere moderne Zeit. Schließlich mögen auch viele Hobbygärtner keine Disteln. Und das, obwohl die einstige Unkrautverordnung längst außer Kraft gesetzt wurde: „Viele Schmetterlinge, Hummeln, Bienen, Käfer und Schwebfliegen besuchen ihre Blüten und ernähren sich von ihrem Nektar- und Pollenangebot“, bricht daher der NABU eine Lanze für das wehrhafte Gestrüpp und weiß, dass zum Beispiel Ackerkratzdisteln mit ihren tiefgreifenden Wurzeln verdichtetes Erdreich auflockern.
Die Pflanzen könnten damit sogar jene Flurschäden lindern, die wir Menschen mit unseren schweren Erntegeräten allenthalben anrichten!

Ein ganzer „Korb“ voller Blüten:

Botanisch betrachtet, gehören Disteln zu den Korbblütlern oder Asteraceae, jenen Pflanzen also, bei denen unzählige Einzelblüten einen Gesamtblütenstand bilden. Eine Art Scheinblüte also, wie sie uns auch vom Gänseblümchen bestens bekannt ist. Ein Trick der Natur, der die scheinbar übergroßen Blüten, die in Wirklichkeit aus zahllosen Röhren- und Zungenblüten zusammengesetzt sind, für vorbeifliegende Insekten besonders attraktiv macht.

Bei den Kratzdisteln (Cirsium) finden sich, je nach Art und Blütengröße, zum Beispiel in jedem Blütenkopf 30 bis 200 einzelne Röhrenblüten, die vor allem für Schmetterlinge und deren lange Rüssel nahezu ideal sind.

Wo sich Distelfalter und Admiral wohl fühlen:

Tatsächlich bestätigt  auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dass bestimmte Pflanzenarten von unseren Faltern als Nektarquelle und Fraßpflanze dringend gebraucht werden. Darunter Disteln. Gerne auch die Gartenformen, die ebenfalls regelrecht umschwirrt werden. Auch von Hummeln. Die freilich neigen dagegen dazu, die Blüten einfach aufzubeißen.

Apropos „beißen“: Laut BUND brauchen Distelfalter und Admiral die Disteln auch als Fraß- und Futterpflanze für ihre Raupen. In Bezug auf die Schmähung der Disteln befindet sich das Buch der Bücher also im Unrecht. Denn „Thymian, Flieder und Distel locken Schmetterlinge an“, weiß selbst ein Polit-Magazin wie der Focus:

Ja, gerade in den Großstädten könnten Korbblütler wie Sonnenblumen und Disteln ein Gewinn sein. Auch auf unseren Balkonen, wo dann die Schmetterlinge gaukeln, während ein paar Stockwerke tiefer der Verkehr tost!

Disteln sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern stellen auch eine wichtige Nektarquelle für Insekten dar. Bei Imkern gelten die Pflanzen mit ihren lila gefärbten Blütenständen daher sogar als wichtige Bienenweide.

Disteln Distelbluetenkopf mit Besucher

Fotos: Peter Hoffmann

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