red chilly peppers with slices isolated on the white background.

Chilis anbauen

Das besondere Geschmackserlebnis auf der Zunge, das jederzeit verfügbar sein soll, die Lust auf Abwechslung von gewohnten Rezepten, ein feuriger Anreiz für die Gesundheit oder auch nur der Anblick einer hübschen Pflanze – es gibt viele Gründe, sich mit dem Anbau von Chilis zu beschäftigen.

Eine Chili gehört in jeden Garten

Wer die Vielfalt der Chilisorten einmal kosten durfte, weiß, dass das Angebot im Supermarkt um die Ecke doch sehr beschränkt ist. Statt nach Spezialversandhäusern zu suchen oder in die Herkunftsländer der Chilis zu reisen, bietet sich zum Glück eine einfache Alternative: die eigene Zucht.

Bedenken wegen der angeblich im Winter zu kalten Temperaturen hierzulande sind entgegen landläufiger Vorurteile nicht berechtigt. Mit einem Standort in der Nähe der Heizung oder an einem warmen Platz während der Sommermonate bieten sich auch in unseren Breitengraden genügend Möglichkeiten, um für ein optimales Zuchtklima zu sorgen.

Bevor mit dem Anpflanzen gestartet werden kann, gilt es zunächst die richtige Sorte auszuwählen. Wegen ihres noch relativ milden Geschmacks ist der Jalapeno auch für empfindlichere Gaumen geeignet. Er kommt vor allem bei mexikanischen Gerichten zum Einsatz.

Sehr bekannt ist das leicht rauchige, etwas bittere und mit beißender Schärfe versehene Aroma des Cayenne – in der Küche häufig als Cayennepfeffer zu finden. Komplex, fruchtig und extrem feurig kommt schließlich der Habanero daher. Er empfiehlt sich für Fans von Salsas und Hot Sauces.

Die Aussaat

An erster Stelle steht, wie bei jeder anderen Pflanze auch, die Aussaat. Außer den möglichst hochwertigen Chilisamen, die es mittlerweile bei vielen Baumärkten, aber auch in großer Sortenvielfalt im Internet zu kaufen gibt, kommt es vor allem auf die richtige Erde und den optimalen Standort der Pflanzen an. Wie die meisten Samen gedeihen auch Chilipflanzen in spezieller Anzuchterde besonders gut. Diese sollte möglichst steril und zudem gut durchlüftet sein.

Mit zwei einfachen Tricks lässt sich die Qualität handelsüblicher Erde verbessern: Die Sterilität der Erde kann durch Erhitzung gesichert werden. Dazu reicht es aus, die Erde etwa 15 Minuten in der Mikrowelle zu erhitzen. Für eine perfekte Durchlüftung und damit gute Nährstoffaufnahme kann die Erde zudem vorher durchgesiebt werden.

Eine weitere entscheidende Frage ist die nach dem besten Aufzuchtgefäß. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ein Mini-Gewächshaus, ein altes Aquarium oder auch die klassischen Joghurtbecher leisten gleichermaßen gute Dienste.

Stehen nun alle nötigen Utensilien bereit, kann es endlich losgehen. Beim Säen werden zunächst in gleichmäßigem Abstand von circa zwei Zentimetern etwa ein Zentimeter tiefe Löcher in die Erde eingebracht. Als Hilfsmittel eignet sich hierfür ein Kugelschreiber oder Bleistift. Die Chilisamen sollten anschließend mit Erde bedeckt, leicht eingedrückt und vorsichtig gegossen werden. Am besten eignet sich hierfür ein Wasserzerstäuber.

Um ideale Wachstumsbedingungen zu schaffen, sollten die Anzuchtgefäße nun an den richtigen Platz gebracht werden. Optimal sind die feucht-warmen Bedingungen eines Gewächshauses mit circa 26-30 Grad. Steht kein fertiges Gewächshaus bereit, kann auch Klarsichtfolie über die Töpfe gespannt und in diese mithilfe eines Zahnstochers kleine Löcher gestochen werden.

Nun heißt es warten !

Der Grundstein ist gelegt – nun heißt es abwarten. Je nach Sorte dauert es circa ein bis zwei Wochen bis die ersten zarten Pflänzchen den Weg an die Oberfläche finden. Einen Kräfteschub bringt den zarten Keimlingen in dieser Phase das richtige Licht. Da bei uns im Winter die natürlichen Sonnenstrahlen kaum genug Kraft haben, können zusätzliche Leuchtstoffröhren für ein verbessertes Wachstum sorgen. Im Fachhandel findet sich eine Vielzahl geeigneter Lampen.

Sind die ersten zwei Blätter der Pflänzchen sichtbar, ist es Zeit für eine große Veränderung im Leben der noch jungen Keimlinge. Um genügend Nährstoffe, Platz und Wasser zu erhalten, ist das Kuscheln mit den Geschwistern jetzt nicht mehr angesagt. Beim sogenannten Pikieren oder auch Vereinzeln bekommt jede Chili ihren eigenen Topf, in dem sie für ihr weiteres Wachstum ideale Bedingungen vorfindet ohne sich diesen mit anderen teilen zu müssen.

Beim Umtopfen ist Vorsicht geboten, damit die zarten Wurzeln nicht beschädigt werden. Mit einem Zahnstocher oder einem Löffelstiel gelingt das Umtopfen ganz leicht. Töpfe mit circa zwölf Zentimetern Durchmesser bieten den Pflanzen in der Kinderstube ausreichend Raum um sich zu entfalten. Zu dem förderlichsten Substrat kursieren in Gärtnerkreisen viele Spezialrezepte.

Mit hochwertiger Blumenerde, angereichert mit Kompost, kann in jedem Fall nichts schiefgehen. Auch grobkörniger Sand kann, wenn vorhanden, noch untergemischt werden. Wiederum einig sind sich Fachleute über die genaue Technik des Einpflanzens: Im Gegensatz zu anderen Pflanzen sollte bei Chilis nicht nur die Wurzel unter der Erde verschwinden, sondern auch der Stiel. Nur noch die beiden Keimblätter sollten am Ende noch aus dem Topf hervorschauen.

Welche Temperaturen benötigen Chilis ? 

Warm, sonnig und ausreichend feucht – so mögen es die Chilis in den nächsten Wochen. Ein Platz an der Heizung mit mindestens 20 Grad, stetig zunehmende Sonneneinstrahlung und genügend Wasser tun den Pflanzen von nun an besonders gut und garantieren ihre Gesundheit. Mäßiges Gießen ist dann angesagt, kurze Unterbrechungen mit leicht angetrockneter Erde schaden der Pflanze allerdings auch nicht.

Solche Bedingungen sind vielmehr ein guter Anreiz für die Pflanze die Wurzeln weiter auszubauen. Auch Algensubstrat regt die Wurzelbildung an. Die erste Extraportion Nährstoffe in Form von Dünger gibt es am besten nach circa drei bis vier Wochen. Ein sparsam dosierter Flüssigdünger ist hier das Mittel der Wahl.

Schon sechs bis acht Wochen später heißt es dann erneut: Zeit zum Umziehen. In einem noch größeren Topf kann sich die inzwischen kräftige Pflanze zu ihrer vollen Pracht entfalten und sich auf hoffentlich viele Früchte vorbereiten.

 

Je nach Sorte braucht es unterschiedlich viel Geduld bis sich schließlich die ersten Scharfmacher zeigen. Schnell wachsende Arten liefern schon nach circa zwei Monaten die begehrten Schoten, andere brauchen bis zu vier Monate. Doch wie so oft im Leben gilt auch hier: Geduld zahlt sich aus – und je länger die Pflanzen wachsen, desto länger bieten sie auch einen schönen Anblick auf der Fensterbank. Eine genaue Kenntnis der angebauten Sorte ist allerdings eine unbedingte Voraussetzung, um sich am vollen Geschmack erfreuen zu können. Während einige Früchte im grünen Zustand geerntet werden können, entfalten andere ihr volles Aroma erst, wenn sie an der Pflanze rot oder dunkelbraun herangereift sind.

Wen nach einer Ernte das Chili-Fieber gepackt hat, der sollte die Samen gut aufheben und sorgfältig trocknen. Im nächsten Jahr versprechen die selbst gezogenen Samen erneut reichlich Früchte und damit die perfekte Zutat für das eine oder andere scharfe Gourmet-Erlebnis.

Bildquellen: © yurakp – Fotolia.com, © vitals – Fotolia.com

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