Der Hausrotschwanz: Ein echter Kulturfolger, der sich in Menschennähe sichtlich wohlfühlt!

„Schmetterlinge, welche andere Vögel verschmähen, verzehrt er gern und erweist sich durch Vertilgung schädlicher Arten sehr nützlich!“ So beschreibt Alfred Edmund Brehm, der berühmte Naturbeobachter und Autor des nach ihm benannten Tierlebens, den Hausrotschwanz, der wissenschaftlich Phoenicurus ochruros genannt wird …

Ein Singvogel, der ursprünglich in Gebirgsregionen zu Hause war, längst jedoch weite Teile Europas und hier auch bevorzugt die menschlichen Siedlungen für sich entdeckt hat:

Vom Felsenbewohner zum Kulturfolger!

Hier kann der Hausrotschwanz, wie Brehm beschreibt, „alle Scheu vergessen“ und sogar in Briefkästen nisten.

Tatsächlich hat sich die Lebensweise der Vögel in den letzten 200 Jahren dramatisch gewandelt und ist ein einst scheuer Bewohner des Hochlandes, der in Gesteinsnischen brütet, zu einem echten Großstädter mutiert, der auch mit Mauerlöchern und Nistkästen vorlieb nimmt:

Für sein Nest wählt der Hausrotschwanz beinahe Höhlen jeglicher Art, egal ob unter der Terrassen-Markise, am Carport, im alten Schuppen oder in einem Holzstapel“, bestätigt auch der Naturschutzbund NABU und ermahnt alle Haus- und Gartenbesitzer, beim Frühjahrsputz ganz genau hinzuschauen.

Wer hat ein Herz für Tiere?

Auch „Ein Herz für Tiere“, quasi die Standardlektüre aller Tierfreunde und Tierhalter, widmete sich bereits dem Hausrotschwanz, dessen Küken blind und nackt zu Welt kommen. Die Nestlingszeit betrage dann 16 bis 18 Tage, „und der große Hunger der Küken wird von beiden Elternteilen mit Insekten gestillt.“

Tatsächlich sind die meisten Singvögel äußerst nützlich und kann ein einziges Paar, samt seinen Jungen, allein in einem Jahr über einen Zentner Raupen und (Schad)Insekten vertilgen. Hans Steiner sieht daher in den Vögeln echte „Nützlinge im Garten“ (Ulmer Taschenbuch 19), und „zweifellos spielen die Insektenfresser unter ihnen eine Rolle bei der Verminderung von Schädlingspopulationen, vor allem wenn sie für ihre Jungen oft große Mengen Raupen ins Nest tragen!“

Zudem haben Hausrotschwänze allerhand Spinnen und Fluginsekten, aber auch Beeren, etwa die des Holunders, zum Fressen gern. Ornithologisch gesehen gehören die Vögel zu den Fliegenschnäppern, Muscicapidae, eine Familie, zu der zum Beispiel auch das beliebte Rotkehlchen gezählt wird.

Gar nicht einmal selten:

Das Online-Lexikon Wikipedia geht davon aus, dass Hausrotschwänze, im Gegensatz zu anderen Arten, ungefährdet sind und damit zu jenen Singvögeln gehören, deren Bestände in Europa in den letzten Jahren sogar leicht zugenommen haben. Auf jeden Fall scheinen die Vögel zunehmend zugfaul zu werden und immer häufiger bei uns in Deutschland zu überwintern.

Das liegt freilich auch an ihrer Lebensweise in menschlicher Nähe und an dem Klimawandel, der manch einstigen Zugvogel zum Teilzieher oder gar zu einem standorttreuen Ganzjahresbewohner gemacht hat. Vor allem in den Städten, wo es aufgrund der Abwärme meist mollig warm und der Tisch stets gut gedeckt ist!

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