Die Schwalben schützen, und Probleme mit der Justiz vermeiden!

Laut „Brehms Tierleben“ müssen Baumfalk und Merlin zu den schlimmsten Feinden der Mehrschwalbe gezählt werden. Zudem „werden die Nester von der Schleiereule, zuweilen auch wohl von Wieseln, Ratten und Mäusen geplündert!“

Freilich sieht der Naturschutzbund NABU heute noch eine ganz andere Gefahr. Schließlich würden sich, wie die Landesgruppe Hessen beklagt (http://hessen.nabu.de/presse/pressemitteilungen/index.php?popup=true&show=2001&db=presseservice_hessen), die Meldungen über mutwillig zerstörte Nester häufen:

Ist heute der Mensch die größte Gefahr?

Tatsächlich nämlich scheinen die Akrobaten der Lüfte, die einst zu den beliebtesten heimischen Vögeln gezählt wurden und alljährlich den Sommer einläuten, vielen Hausbesitzern zunehmend suspekt zu sein. Besonders dann, wenn die Hausfassaden neu gestrichen und die Dächer saniert wurden.

Dann nämlich scheinen die kunstvollen Nester plötzlich zu stören. Die werden, wie Alfred Edmund Brehm beschreibt, entweder in Felswänden oder aber an Dachkränzen sowie unter Fenstern und Türnischen errichtet. Stets so, dass sie vor Regen und Witterungseinflüssen geschützt sind. Womit die Probleme mit dem Kulturfolger nahezu programmiert sind. Denn viele fürchten den Kot und möchten nicht, dass ihre frisch sanierten Fassaden derart „okkupiert“ werden.

Dabei sind Schwalben, die ausschließlich von Fluginsekten leben, eifrige Schädlingsbekämpfer und müssen daher eindeutig zu den Nützlingen in Dorf und Garten gezählt werden:

Was sagt der Gesetzgeber?

Ohnehin dürfen die Vögel nicht aus einer Laune heraus (oder um die strahlend weiße Fassade zu schützen) vergrämt werden. Denn „als Hauseigentümer darf man Schwalbennester nicht einfach entfernen, sie sind gesetzlich geschützt“, erklärt dazu Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen.

Tatsächlich würden mittlerweile zahlreiche Gerichtsurteile belegen, dass Schwalbennester nur in begründeten Ausnahmefällen entfernt werden dürfen. Die Nester der Mehlschwalbe unterliegen damit einem besonderen Schutz, der auch im Bundesnaturschutzgesetz noch einmal klar geregelt ist.

Wer Schwalbennester zerstört, muss folglich mit einer Geldbuße rechnen. Tatsächlich müssen Schwalbennester, Eppler zu Folge, von Mietern wie auch Hauseigentümern geduldet werden!

Freilich wissen auch die Naturschützer, dass Kot an frisch geweißelten Wänden nicht unbedingt schön ist. Die empfehlen daher ein mindestens 70 Zentimeter unterhalb der Nester angebrachtes Kotbrett, um so die Konflikte zwischen Mensch und Tier dauerhaft zu lösen: „Eine weitere sanfte Methode ist es, den Schwalben an unproblematischen Stellen künstliche Nester anzubieten, so dass sie im kommenden Jahr umziehen können“, erläutert der Biologe.

Tatsächlich bestätigt auch Hans Steiner in seinem Fachbuch „Nützlinge im Garten“ (Ulmer Taschenbuch 19), dass Mehl- wie auch Rauschschwalben künstliche Nisthilfen nur allzu gerne annehmen.

Ohnehin finden die Vögel in unserer zunehmend verarmten und ausgeräumten Landschaft immer weniger Lehmpfützen, so dass den Tieren das Material zum Nestbau zunehmend ausgeht. Ein Schwalbenkasten an der Hauswand oder ein Schwalbenhotel im Garten kommen den Flugakrobaten damit gerade recht.

Laut Eppler müssen die Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes übrigens auch bei Fassaden- und Dacharbeiten berücksichtigt werden müssen: „Wurden die Nester bei notwendigen Renovierungsarbeiten zerstört, so sind Hausbesitzer verpflichtet, künstliche Nisthilfen als Ersatznester anzubringen.“

Noch vor Beginn der Bauarbeiten ist daher eine Rücksprache mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde (angesiedelt in der Kreisverwaltung) sehr zu empfehlen. Denn nur dann ist man nach Auskunft des NABU als Hauseigentümer auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Zum Schutz der Mehlschwalben und ihrer Nester empfiehlt der NABU Hessen außerdem, Dächer und Dachrinnen nur außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeiten zu erneuern. Der naturfreundlichste Termin für Sanierungs-Arbeiten am Haus ist damit die Zeit zwischen Anfang Oktober und Ende Februar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *