Blumenwiese Graeser

Droht in Deutschland eine Betonwüste?

„Finger weg von jedem Wegrand“, forderte Wolf-Eberhard Barth bereits in den 1980 er Jahren. Ganz einfach, weil der Verlust an Landschaft, den wir tagtäglich hinnehmen müssen, enorm ist …

Tatsächlich kennen zumindest die älteren von uns noch ehemalige Brachflächen oder gar Tümpel, Orte, an denen sie zu Kindertagen gespielt haben, auf denen heute jedoch eine Fabrik oder ein Haus steht.

Wo sind die Wiesen und Falter geblieben?

Barths „Praktischer Umwelt- und Naturschutz“ (Paul Parey Verlag) spricht daher von einer alarmierenden Flächenbilanz. Einem Schwund an Landschaft, der – natürlich – auch mit einem Verlust der biologischen Vielfalt einhergeht: „In den letzten 100 Jahren sind ca. 30.000 Pflanzenarten ganz oder fast verschwunden!“

Eine Sorge, die auch den Naturschutzbund NABU umtreibt. Denn bis heute wird tagtäglich eine Fläche von 104 Fußballfeldern verbaut. Damit schreitet, wie die Naturschützer beklagen , der Flächenverbrauch weiter voran. Und das, obwohl wir weniger werden, sprich: die Bevölkerungszahlen zurückgehen:

Selbst der Duden kennt das Problem!

„Hochgerechnet auf ein Jahr ist die verbaute Fläche mit 27.010 Hektar größer als die gesamte Stadt Frankfurt am Main“, nennt der NABU die ungeschminkte Wahrheit. Eine Wahrheit, die längst auch unseren Sprachgebrauch erreicht hat. Schließlich erklärt heute selbst der Duden, was mit dem oftmals sehr emotional eingesetzten Begriff der „Betonwüste“ gemeint ist. Nämlich eine „dicht mit Betonbauten, besonders Hochhäusern, bebaute und wenig oder keine Grünflächen aufweisende Fläche“.

Eine Fläche, die mitunter dann sogar zu einem sozialen Brennpunkt verkommt. Zumindest jedoch geht mit der Natur und Landschaft auch die Lebensqualität verloren, fürchtet der NABU und verweist auf eine Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung (aus dem Jahre 2002), die es eigentlich völlig anders und besser geplant hatte:

Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube!

Denn seinerzeit hatten unsere Politiker das Ziel ausgerufen, den täglichen Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar zu reduzieren. Trotz einiger Fortschritte liegt dieses Ziel jedoch nach wie vor in weiter Ferne, da nach NABU-Angaben aktuell immer noch 74 Hektar pro Tag verbaut werden.

Dabei wäre für die Naturschützer, zumal im Lichte der abnehmenden Bevölkerung, sogar ein „Null-Hektar-Ziel“ erstrebenswert, und tatsächlich muss sich auch jede und jeder von uns fragen, was er selbst zu tun bereit ist? Denn könnte, statt dem Neubau auf der grünen Wiese, für den Familienstammsitz nicht auch einmal ein Bestandsgebäude aufgekauft und saniert werden?

Und muss denn jeder Gewerbebetrieb gleich vor die Tore der Stadt verbannt werden? Tatsächlich bin ich, als Fotoreporter der Regionalpresse, immer wieder auf Terminen, in denen, voller Stolz, neu erschlossene Areale eingeweiht werden. Nun, er mache lieber hier seine Firma auf als in einem dörflichen Mischgebiet, erklärte mir dabei mal ein Handwerker. Denn dort sei der Ärger vorprogrammiert.

Spätestens dann, wenn einmal ein Lkw oder ein Lieferfahrzeug eine Einfahrt oder Engstelle blockiert bzw. ein Hammerschlag nach Feierabend erklingt und sich ein Nachbar gestört fühlt … unsere Flächenbilanz könnte also auch durch uns selbst und mit etwas mehr Toleranz verbessert werden!

Viele Pflanzen der Acker- und Wegränder, wie der Mohn, die uns aus Kindertagen noch in bester Erinnerung sind, sehen wir heute kaum noch!

Wo sind nur all` die Wiesen(blumen) und deren Besucher geblieben!?


Foto: Peter Hoffmann

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