Tagpfauenauge

Ein Heim für Falter & Co.?

Haben Sie Mut? Den Mut zu etwas mehr Unordnung in Ihrem Garten? Die nämlich ist nötig, damit sich die bunten Schmetterlinge und andere Kleintiere rund um unser Haus wohlfühlen!

Die Realität sieht häufig anders aus. Denn noch immer dominiert vielerorts ein millimeterkurz getrimmter Rasen, der allenfalls zum Barfußlaufen einlädt, jedoch für Insekten und Kleintiere kein Anlass für Freudensprünge darstellt:

Bitte ein bisschen mehr Wildnis!

Zwar stellt der Englische Zierrasen mit seinem sehr gepflegten Erscheinungsbild nach wie vor bei vielen Haus- und Gartenbesitzern ein erstrebenswertes Schönheitsideal dar, doch die dürfen sich dann natürlich nicht wundern, wenn ihr Garten an Faltern und Kleintieren deutlich verarmt ist. Denn die finden hier weder Futter noch Unterschlupf.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz plädiert daher für mehr Haus- und Blumenwiesen, da nur so eine artenreiche Vielfalt in unseren Gärten garantiert ist: „Zwischen einer artenreichen Blumenwiese und dem Einheitsrasen liegen Welten. In punkto Artenvielfalt und ökologischer Bedeutung verliert letzterer haushoch!“

Auf die Pflanzenauswahl kommt es an:

Freilich wundern sich manche Gartenbesitzer, dass trotz der Gänseblümchen und Löwenzahnköpfe in ihrer Wiese der große Ansturm an Faltern ausbleibt. Doch woran liegt es, wenn sich trotz massenhaft blühender Pflanzen keine Schmetterlinge einfinden?

Nun, viele davon – nämlich allein über 50 heimischen Arten -, nutzen die Brennnessel als Fraßpflanze für ihre Raupen, erklärt die Aktion Tier in Berlin: „Typische `Brennnessel-Schmetterlinge` sind beispielsweise Tagpfauenauge, Landkärtchen und Kleiner Fuchs“, weiß Diplom-Biologin Ursula Bauer.

Die beschreibt die komplizierte Entwicklung der Schmetterlinge wie folgt: Zuerst legt das Schmetterlingsweibchen Eier an einer geeigneten Pflanze ab. Aus diesen schlüpfen dann Raupen, die sich von diversen Pflanzenteilen ernähren, oftmals aber auch allein auf eine ganz bestimmte Pflanzenart, wie beispielsweise die Brennesel, geprägt sind:

„Da Raupen sehr gefräßig sind, wachsen sie schnell und häuten sich dabei mehrmals. Sind die Raupen groß und rund, verpuppen sie sich“, erklärt Bauer, wie sich danach dann im Innern der Puppe die Raupen in Schmetterlinge verwandeln.

Die haben meist ein kurzes Leben und ernähren sich derweil von Nektar, der mit den langen Rüsseln aus den Blütenkelchen gesaugt wird.

Die Schmetterlingsraupen fressen dagegen Blüten, Zweige, Holz, Wurzeln oder – wie oben beschrieben – eben die Blätter der Brennnessel: „Um auch diesen Raupen und Falterarten eine Lebensgrundlage zu bieten, sollten Gartenbesitzer daher bewusst einen kleinen Brennnesselbestand zulassen“, mahnt Ursula Bauer und sieht in dem Anblick der vielen bunten Falter, die später schlüpfen, eine tolle Belohnung.

Der Wildnis eine Chance?

Auch der BUND plädiert dafür, der Wildnis die Gartentüre zu öffnen. Denn erst dann, wenn Gräser und Kräuter ungestört wachsen dürfen und nur zwei- bis dreimal im Jahr gemäht werden, wandelt sich ein Rasen zur artenreichen Wiese: „Je später der erste Schnitt erfolgt, umso besser säen sich die Wiesenblumen aus“, erklären hier die Experten.

Wer dann noch zusätzlich im Herbst einige Laub- und Reisighaufen in einer stillen Gartenecke liegen lässt, hat bereits viel für unsere heimischen Insekten- und Kleintiere getan!

Wer das hübsche Tagpfauenauge in seinem Garten bestaunen will, muss wissen, dass dessen Raupen auf Brennnesseln abonniert sind!

Reisighaufen im Garten dienen vielen Insekten und Kleintieren als Unterschlupf!

Fotos: Peter Hoffmann

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