Rosen Heckenrosen Eingang Gartenzaun (Foto Peter Hoffmann Waldstraße 20 66113 Saarbrücken) (1280x850)

Ein Plädoyer für den Schrebergarten

Ein Plädoyer für den Schrebergarten

Natürlich könn(t)en wir darüber klagen, dass gerade Schrebergärten häufig alles andere als naturnah angelegt werden …

Schließlich wird hier, in den Kleingartenkolonien, vieles durch Satzungen und Vorschriften geregelt (und das bis hin zur Heckengestaltung und –höhe!), finden sich häufig Rasenflächen, die millimeterkurz getrimmt sind.

Passen Kleingärten und Naturschutz überhaupt zusammen?

Ein „englischer Zierrasen“, der Kleintieren und Vögeln nur wenig zu bieten hat. Denn Wiesen und Rasenflächen kann man(n) – bzw. Frau -, auch regelrecht „totpflegen“.

Insofern beklagen Naturschützer häufig (und völlig zu Recht), dass viele unserer Haus- und Kleingärten mit ihrem „Messerhaarschnitt-Rasen“ und ihren exotischen Ziergehölzen ökologisch nicht mehr intakt sind … und dennoch werden gerade sie, die Klein- und Schrebergärten, zum „grünen Herz“ in unsere Städten, glaubt Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und sieht hier, jenseits des Gartenzaunes, eine wichtige Freifläche, in der die Menschen ausspannen und soziale Kontakte gepflegt werden.

Haben Gärten eine soziale Komponente?

Ja, „durch das Engagement von Millionen Kleingärtnern werden unsere Städte sozialer, nachhaltiger sowie lebens- und liebenswerter“, bestätigt auch Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesbauministerium.

Tatsächlich lechzen viele Menschen in unseren sich ständig verdichtenden Metropolen nach mehr Freiraum, nach „grünen Lungen“, so dass zunehmend auch die alten Waldfriedhöfe mit ihrem Baumbestand von Spaziergängern als Rückzugsräume genutzt werden.

Denn längst sieht man hier nicht nur Senioren, sondern auch Eltern, die mit ihrem Kinderwagen flanieren und so, auf dem Gottesacker, vor der Betonwüste jenseits der Friedhofsmauer auf der Flucht sind.

Klein- und Schrebergärten haben eine lange Tradition!

Nur einer der Gründe, warum auch Klein- und Schrebergärten, die lange Jahre eher von den „reiferen Semestern“ dominiert wurden, heute bei jungen Familien so beliebt sind:

Eine Erfindung, die im 19. Jahrhundert, als so genannter „Armengarten“, seinen Anfang nahm und später freundlicher als Lauben- oder Familiengarten tituliert wurde.

Ziel war es dabei, unter anderem, Erholungs- und Rückzugsräume zu schaffen und zudem auch den Städtern ohne Haus und Grundbesitz die Möglichkeit zu bieten, Obst und Gemüse zur Selbstversorgung anzubauen.

Doch längst sind Kleingärten weit mehr als eine Anbaufläche für eigenes Obst und Gemüse, glaubt Pronold. Vielmehr sieht der Staatssekretär hier eine wichtig Begegnungsstätte für Menschen ganz unterschiedlicher Hintergründe und Herkunft, so dass der Schrebergarten letztendlich auch der Integration dient.

Was können Schrebergärten alles leisten?

Zudem dürfte auch der Generationswechsel in den Parzellen den Kleingartenvereinen und der Schrebergartenkultur gut tun.

Denn durch die jungen Familien, die in die Lauben einziehen, könnte die Denk- und Arbeitsweise in den Kleingartenkolonien modernisiert werden, glaubt Pronold und verweist auf Insektenhotels sowie Naturlehr- oder Barfußpfade, die heute immer häufiger im Umfeld der Laubensiedlungen angelegt werden.

Eine gute Methode, bereits die Jüngsten an die Tier- und Pflanzenwelt heranzuführen und die Natur auch im „Dunstkreis“ der Städte erlebbar zu machen.

Werden im Schrebergarten dann noch ein paar Brennnesselhorste geduldet, mehr heimische statt exotische Gehölze gepflanzt und bleiben im Winter auch mal ein paar Reisig- und Laubhaufen liegen, dann kann auch der ansonsten „aufgeräumte“ Kleingarten zu einer Oase und einem Rückzugsgebiet für unsere gebeutelte Natur werden.

Gärten haben viele Komponenten und „Gesichter“ und können auch der Integration und dem sozialen Kontakt dienen!

Foto: Peter Hoffmann

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