Ein Plädoyer für die Elster

Ein Plädoyer für die Elster

Das Kosmos-Handbuch „Tiere und Pflanzen“ bezeichnet die Elster als einen Problemvogel, einen typischen Opportunisten, der in die Städte zog und sich dort offenbar allzu prächtig vermehrt hat:

„Denn als Allesfresser plündert die Elster häufig die Nester anderer Vögel!“

Was sagt Brehms Tierleben?

Ein Problem, das bereits Alfred Edmund Brehm hinlänglich bekannt war. Denn auch der bekannte Naturbeobachter und Autor des gleichnamigen Tierlebens beklagt, dass sich Elstern eben nicht allein mit Obst, Beeren und Feldfrüchten sowie Kerbtieren und allerhand Gewürm zufrieden geben. Ganz Im Gegenteil: Im Frühjahr plündere die Elster unbarmherzig die Nester aller wehrlosen Vögel „und kann einen reichbewohnten Garten buchstäblich verheeren und veröden.“

Freilich entdeckt Brehms Tierleben an den Elstern auch eine nützliche Seite, die daraus resultiert, dass die Vögel auch in der Mäusejagd sehr versiert sind …. tatsächlich ist Pica pica, ein Vertreter der Rabenvögel, gerade im städtischen Umfeld alles andere als wählerisch und greift sich auch Schnecken oder vertilgt Kot und Aas.

Mitunter sieht man die prachtvollen Vögel auch die Komposthaufen durchwühlen oder längs der Straßen nach verwertbaren Abfällen und Tierfutter patrouillieren. Ein unermüdlicher Sammler und Jäger, der bereits vor Sonnenaufgang aktiv wird.

Von wegen, „diebische Elster“!

Dabei geht der NABU Schleswig-Holstein davon aus, dass das Verhalten der Elstern von der schieren Not diktiert wird. Schließlich hätten die stattlichen Vögel eine Intelligenz nahe der der Menschenaffen und würden allein aufgrund der Verödung unserer Kulturlandschaft zum Städter mutieren. Vielleicht auch, weil sie hier vor ihren eigenen Feinden, den Greifvögeln, besser geschützt sind?

So bestätigt auch oben genannter Kosmos Naturführer, dass der Druck ihrer Feinde die Elstern in die Städte gedrängt hat. Die erwiesen sich dann mit ihren Müllkippen und Komposthaufen als wahres Schlaraffenland.

Dabei kommt es, ohne Frage, zu Übergriffen auf fremde Nester – ein Verhalten, das freilich auch von den beliebten Eichhörnchen oder niedlichen Meisen bekannt ist. Denn auch die haben fremde Eier und Küken „zum Fressen gern“!

Ohnehin „zeigen zahlreiche Studien in Europa, dass die Wirbellosen, vor allem die Insekten, eindeutig die Hauptnahrung für Nestlinge und folglich auch der Altvögel sind“, weiß der Naturschutzbund NABU und bricht damit eine Lanze für die Elster.

Nicht jedes Nest dient der Brut:

Denn die sei weit besser, als ihr Ruf. Zudem ein begnadeter Nestkonstrukteur, der bereits zeitig im Frühjahr sein Werk beginnt.

Dabei wird ein stattlicher, meist kugelförmiger Bau errichtet, der oftmals auch noch überdacht ist. Und das aus gutem Grund: Schließlich sind viele der „Nester“ reine Schlafbauten. Vermutlich werde nur rund jedes fünfte Nest auch wirklich zur Brut genutzt, sieht der NABU in der Elster einen Vogel, der es sich auch gerne mal bequem macht. Und damit, einmal mehr, fast menschliche Züge zeigt. Ein Vogel, dem dennoch sein schlechter Ruf vorauseilt.

Der NABU appelliert daher eindringlich dafür, die Elster nicht vorschnell zu verurteilen und den Rabenvögeln, wie allen Tieren, unseren Schutz zu gewähren. Schließlich würde sich die Anzahl der Brutreviere von selbst regulieren: „Gibt es zu viele Vögel auf kleinem Raum, bedeutet dies Stress, der Bruterfolg sinkt, und die Zahl der Vögel nimmt wieder ab“, entkräften die Naturschützer in Sachsen jede Sorge, dass Elstern womöglich bald überhand nehmen.

Und letztendlich möchten viele von uns ja auch das muntere Schwatzen der Elstern, das Brehm als ein lebhaftes „Schakerak“ bezeichnet, nicht missen!

 

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