Lonely Lion in the Serengeti National Park (Tanzania)

Eines Löwen Tod zieht weite Kreise

Cecil aus Simbabwe ist tot. Die Folge ist ein wahrer Shitstorm, dessen Ausmaß vermutlich selbst Insider und Tierschützer überrascht hat. Denn nun gibt es viele, die plötzlich gegen den Jäger selbst mobil machen …

Tatsächlich war sich der Zahnarzt aus Minnesota über die weitreichenden Folgen wohl selbst nicht im Klaren, als er die Sehne seines Bogens mit dem todbringenden Pfeil gespannt hat:

Ein elend langer Todeskampf!

Wobei viele Tierfreunde auch und gerade über den letzten Endes schlecht gezielten Schuss und den langen Todeskampf des prächtigen Löwen empört sind. Sogar das Polit-Magazin „Spiegel“ befasst sich nun mit dieser Thematik und weiß, dass der Zahnarzt zwischenzeitlich abgetaucht ist.

Kein Wunder, angesichts der Menschenmassen, die hier, vor der Praxis des Walter P., gegen die Großwildjagd mit Pfeil und Bogen mobil machen. Ein neuer Trend, in dem Jäger und Befürworter sogar eine Chance für das Wild sehen: Schließlich muss der Waidmann seiner Jagdbeute viel näher auf den Pelz rücken, als wenn mit Gewehren gejagt wird!

Zudem soll das Fleisch (wenn es denn verzehrt wird) viel besser munden, da der Adrenalin-Schock, der dem Aufprall der Kugel folgt, bei der Jagd mit Pfeil und Bogen ausbleibt. Stattdessen verblutet das Wild, das eine Wunde wie von einem Messerstich davon trägt. In der Regel schnell und durchaus waidgerecht – wenn, ja wenn der Schuss gut platziert ist:

Ohne Jagd geht es vermutlich nicht?

Die Gründe für die Ermittlungen gegen den Großwildjäger und seinen professionellen Jagdführer lagern denn auch auf einer völlig anderen Ebene:

Zum einen soll der getötete Löwe ganz gezielt aus (s) einem Nationalpark gelockt worden sein. Dann war der Schuss auch noch miserabel gezielt – und das obwohl Walter P. als Experte für die Jagd mit Pfeil und Bogen oder Armbrust gilt.

Gegen den ermitteln nun auch die US-Behörden. Und das laut Spiegel nicht zum ersten Mal, da der Zahnarzt auch schon mal nach der Jagd auf einen Schwarzbären ein juristisches Problem hatte!

Doch „jenseits“ dessen, was hier passiert ist, müssen wir wohl einsehen, dass viele Nationalparks auch und gerade durch die Einnahmen aus dem Jagdtourismus finanziert werden. Jene Großwildjäger, die sich gerne mit den Trophäen erlegter Tiere schmücken und auch noch auf Fotos mit ihrem Jagderfolg prahlen, tragen daher dazu bei, dass andernorts Reservate entstehen und Wildtiere in Frieden leben können.

Dies mag man bedauern und darf es gerne auch pervers nennen. Dennoch ist die Lage so, wie sie ist und nimmt nun auch oben genannter Shitstorm eine bedenkliche Richtung:

Zu viel ist zu viel!

Nichts gegen die, die empört sind. Auch das symbolische Ablegen von Plüschtieren vor der Praxis des Zahnarztes sollte noch okay sein. Freilich ist es nicht mehr rechtens, wenn nun manche dem Jäger selbst (wie auch schon in Deutschland nach der Tötung eines Hundes geschehen!) den Tod wünschen: „Verrotte in der Hölle“, steht da auf manchen Plakaten und Transparenten. Sueddeutsche.de spricht daher von einer wahren Hetzjagd auf den Löwenjäger. Gar von gezielten Morddrohungen, die die Entschuldigungen des reuigen (?) Schützen ignorieren.

Ob die ernst gemeint sind und welche möglichen Folgen Walter P. drohen, haben jedoch die Gerichte zu entscheiden, nicht aber eine aufgehetzte Masse, die nun – quasi nach alt-biblischem Recht – Auge um Auge und Zahn um Zahn fordert:

Denn ein Menschenleben sollte auf jeden Fall mindestens so viel wie ein Löwe wert sein!

Foto: © crazycolors – Fotolia.com

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