Griechische Landschildkroeten im Terrarium

Exotische Gäste im Wohnzimmer?

Ohne Frage kann ein Terrarium ein echter Hingucker in jedem Wohnraum sein …

Freilich nur dann, wenn die Tiere gesund und Behälter und Einrichtung optimal gepflegt sind: „Einen prächtigen Zimmerschmuck, dem sich auch die Hausfrau nicht entziehen kann, bieten die tropischen Regenwaldterrarien, also der Typ warm und feucht“, schrieb Wolfgang Bechtle bereits in den 1970 er Jahren – freilich sogleich verbunden mit der Warnung, dass hier dem Halter und Tierpfleger einiges abverlangt wird:

Kenner oder Stümper?

Tatsächlich haben sich seit Bechtles Buch und jenem Zeitpunkt, zu dem die „Bunte Welt im Terrarium“ verfasst wurde, die Gegebenheiten dramatisch gewandelt. Exoten, die früher allenfalls bei engagierten Züchtern zu haben waren, werden heute – nahezu wie Wegwerfware -, auch auf Tierbörsen gehandelt.

Eine Unsitte, die bei Natur- und Tierschützern, aber auch engagierten Terrarianern, schon länger verpönt ist. Denn hier werden die extrem anspruchsvollen Pfleglinge in kleine Boxen oder Plastikdosen gesperrt und dann auch an unkundige Halter verkauft.

Tatsächlich würden die Schnäppchenpreise viele Besucher von Reptilienbörsen zu Spontankäufen verleiten, argwöhnt der Deutsche Tierschutzbund. Dabei finde nur selten eine sachkundige Beratung statt, zumal hier oftmals auch noch Sprachbarrieren mit im Spiel sind.


Ein Hauch von Exotik und Gefahr?

Tatsächlich scheint das Halten von Terrarientieren und Exoten derzeit „in“ zu sein. Oftmals auch als Statussymbol oder aus einem Imponiergehabe heraus, wenn – ohne jegliche Sachkenntnis -, Skorpione, Riesenschlangen oder andere wehrhafte Reptilien angeschafft werden.

Die Zeche zahlen dann die Pfleglinge wie auch die Tierschutzvereine. Denn allein in den letzten fünf Jahren mussten dreiviertel der dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierschutzvereine auch Reptilien, wie Schildkröten, Bartagamen oder Schlangen, aufnehmen.

Gäste, für die auch die Tierheime oftmals nicht gerüstet sind: „So genannte Exoten bzw. Wildtiere gehören nicht in private Hand, dort können sie oftmals nicht artgerecht gehalten werden, viele sind mit den Tieren überfordert. Letztlich müssen dann die Tierheime ausgesetzte oder auch beschlagnahmte Tiere betreuen, was viele der Einrichtungen vor große Probleme stellt“, beklagt daher Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Der sieht daher auch und gerade den Gesetzgeber in der Pflicht. Denn auf die Weitsicht der Halter und „Liebhaber“ möchte Schröder nicht vertrauen. Viele würden die Kosten der Haltung, aber auch das Lebensalter und die Endgröße der Tiere völlig falsch einschätzen.

Ein Hobby, das nicht billig ist:

In der Tat übersteigen die Kosten für (Lebend)Futter, aber auch der Strom für Heizung und Beleuchtung den einmaligen Anschaffungspreis binnen weniger Monate. Und viele Reptilien können mehrere Jahrzehnte alt werden.

So liegt die Lebenserwartung bei den beliebten Bartagamen bei gut 10 bis 15 Jahren, wohingegen Griechische Landschildkröten sogar ohne weiteres 60 bis 80 Jahre alt werden und damit ihren Halter womöglich überleben!

Dennoch sei es viel zu leicht, diese Wildtiere zu bekommen, beklagen Schröder und der Tierschutzbund, dessen Mitgliedsvereine in den letzten 5 Jahren rund 30.000 Reptilien aufnehmen mussten.

Die Hälfte dieser Tiere waren verschiedene Wasserschildkrötenarten, die oftmals als Babys angeschafft werden. Leider haben die, wie bereits Bechtle zur Rotwangenschildkröte anmerkte, einen so fabelhaften Appetit, „dass sie in wenigen Jahren untertassengroß werden.“ Zu groß jedenfalls für die meisten Aquaterrarien, so dass viele Wasser- und Sumpfschildkröten kurzerhand ausgesetzt werden.

Sehr zum Leidwesen der Naturschützer. Denn viele können bei uns überleben, und so sieht (http://www.nabu.de/nabu/nh/jahrgang2003/heft1/00906.html) der Naturschutzbund NABU immer mehr fremde Tierarten, die sich bei uns häuslich einrichten. Andere, wärmedürftigere Arten verenden dagegen jämmerlich, wenn sie von ihren anfangs so begeisterten Haltern ausgesetzt werden.

Das Leid(en) der Schildkröten:

Auch Landschildkröten, Bartagamen und Nattern werden immer wieder in den Tierheimen abgegeben. Leider auch gefährliche Arten wie Schnappschildkröten, die in keinem Privathaushalt leben sollten.

Das gilt nach Ansicht des Tierschutzbundes auch für Riesenschlangen, Warane oder Kaimane, die ebenfalls schon die Tierheime erreicht haben. Und auch dort oftmals nicht angemessen untergebracht werden können.

Doch die Tierschützer haben bei beschlagnahmten und ausgesetzten Tieren meist gar keine Wahl. Gleichzeitig gestaltet sich die Vermittlung dieser Tiere dann als äußerst schwierig, so dass viele zu Dauerbewohnern werden und die Tierheime dann an ihre Grenzen führen.

Denn die bleiben auf den Betreuungskosten oftmals sitzen!

 

Schildkröten können sehr alt werden. Eine Anschaffung will daher gut überlegt sein. Zudem gilt es, sich bereits im Vorfeld über die rechtlichen Rahmenbedingungen wie auch die Pflege zu informieren. Vor Spontankäufen indes kann nur gewarnt werden!

Foto: Peter Hoffmann

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