Amsel im Eibendickicht

Experten mahnen: Vorsicht beim Heckenschnitt!

Wenn wir Pflanzen verdrängen, dann würden wir quasi jenen Ast absägen, auf dem wir alle unseren Platz finden.

Denn „wir leben von unseren Pflanzen, sind abhängig von deren Vielfalt und Funktion“, weiß Forstoberrat Dr. Wolf-Eberhard Barth.

Der ging in seinem vielbeachteten Standardwerk „Praktischer Umwelt- und Naturschutz“ (erschienen im Paul Parey Verlag) davon aus, dass Hecken und Bäume vor allem in Städten und Wohngebieten ganz dingend gebraucht werden:

Hecken filtern Abgase aus der Luft!

Denn hier kann das Laub der Büsche und Gartenhecken Windböen abfangen und Staub und Abgase aus der Luft filtern.

Zudem tragen Bäume und Hecken zu einem verbesserten Kleinklima bei. Die „Städtebauliche Lärmfibel“ des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur des Landes Baden-Württemberg sieht zudem eine ganz erhebliche Lärmminderung, die mit jeglicher Bepflanzung einhergeht. So könnten Hecken und Schonungen nicht nur optisch abgrenzen, sondern auch Lärmbelästigungen durch Straßen und den Verkehr mindern.

Ein Lebensraum für sich:

Die Kollegen von der Saar weisen zudem darauf hin, dass Hecken und Bäume auch für den Naturschutz relevant sind. Die nämlich stellen wichtige Lebensräume für viele Tierarten dar: „Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es daher verboten, in der Zeit vom 1. März bis 30. September Bäume außerhalb des Waldes sowie Hecken, Büsche u. ä. zu beseitigen oder auf den Stock zu setzen“, ermahnt Saar-Umweltminister Reinhold Jost alle Hobbygärtner zu etwas mehr Gelassenheit.

Tatsächlich ging auch oben genannter Fachautor davon aus, dass gerade Gartenbesitzer oftmals allzu schweißtreibende und kostenintensive Pflegearbeiten auf ihrem Grund und Boden verrichten. Dabei täte dem, bzw. unserer heimischen Tierwelt,  ein bisschen mehr Unordnung und ein bisschen Wildnis im Garten ungemein gut. Denn ein millimeterkurz getrimmter Garten mag vielleicht uns Menschen zum Barfußlaufen animieren, kann jedoch keine Schmetterlinge und Kleintiere ernähren.

Auch Kleingärtner betroffen!

Doch lasst uns noch einmal zu den Hecken und Büschen im Garten zurückkehren. Die sind auch für den Städteregionsrat Aachen ein Thema. Ganz einfach, weil hier nicht nur zahlreiche Vögel leben, sondern am Boden auch Frösche, Igel und andere Kleintiere ihr Quartier finden.

Das Saar-Umweltministerium mahnt daher zu etwas Geduld beim Heckenschnitt.
Zumal oben genannte Regelung für sämtliche private Haus- und Kleingärten gilt – und das unabhängig davon, ob es sich um Zier- oder Nutzgärten oder um eine Kleingartenanlage handelt.

Was darf ich und was nicht?

Hier seien Pflegeschnitte zwar grundsätzlich erlaubt; dennoch sollte beim Heckenschnitt die Natur nicht unnötig geschädigt werden, mahnt Jost.

Dessen Ministerium appelliert daher an alle Gartenbesitzer, auch mit den erlaubten Pflegeschnitten möglichst abzuwarten, bis die Brutzeit der Vögel in einigen Wochen vorbei ist. Denn „manche Vogelarten können bei uns bis in den August hinein brüten!“

Auf alle Fälle sollte vor Arbeitsbeginn eine sorgfältige Untersuchung der Hecke stattfinden. Dabei wird überprüft, ob im Geäst oder im Bodenbereich Nester vorhanden sind: „Spuren von Vogelkot oder Eierschalen von brütenden Vögeln weisen ebenso darauf hin wie der ständige An- und Abflug der Vogeleltern.“

Wenn das der Fall ist, gilt: Abwarten und Hände weg von der Schere!

Hecken bieten Vögeln und Kleintieren wichtige Rückzugsorte und sollten daher nur mit Bedacht gepflegt und eingekürzt werden!

Foto: Peter Hoffmann

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