Landschildkröten

Langsam, aber oho: Schildkröten sind anspruchsvolle Gäste!

Schildkröten könnten mehr über die Straßen erzählen als Hasen, soll der libanesisch-amerikanische Dichter Khalil Gibran mal gesagt haben …

Viel zu erzählen haben die Tiere leider auch darüber, dass sie immer wieder unüberlegt angeschafft und dann falsch gepflegt werden:
Schildkröten haben hohe Ansprüche und können uralt werden!

Nicht umsonst zeigen Portale wie terrarium-schildkroete.de eine „eindrucksvolle“ Sammlung von kranken und / oder deformierten Tiere, deren gesundheitliche Probleme auf Fehler und Unkenntnis in der Schildkrötenhaltung zurückgehen.

Tatsächlich sind die behäbigen Reptilien durchaus heikle Pfleglinge und können damit keineswegs für Anfänger in der Terraristik oder gar Kinder in Betracht kommen!

Bereits die Größe ist nicht ohne:

Dennoch lassen sich nach wie vor unbedarfte Halter von den oftmals nur münzgroßen Schildkröten-Babys in den Gartencentern begeistern. Und kaufen, ohne zu überlegen, dass diese Tiere bald richtig groß werden.

Dabei warnte Wolfgang Bechtle bereits Mitte der 1970 er Jahre in seiner „Bunten Welt im Terrarium“ vor dem Appetit der Tierchen und davor, dass zum Beispiel Rotwangenschmuckschildkröten binnen weniger Jahre untertassengroß werden.
Spätestens dann benötigen sie riesige Aquaterrarien oder müssen, im wahrsten Wortsinn in viel zu kleinen Becken „ausbaden“, was ihre Käufer sich (und dem Tier) da eingebrockt haben.

Manche wissen sich dann irgendwann nicht mehr anders zu helfen, geben ihre einstigen „Lieblinge“ in den hoffnungslos überfüllten Tierheimen und Reptilienauffangstationen ab oder setzen diese gar einfach aus:

„Exotische Wasserschildkröten gehören nicht in unsere heimischen Gewässer“, mahnt daher das Tierheim Kronach und geht von Hunderten fremdländischer Wasserschildkröten aus, die illegal (!) in unseren Gewässern „entsorgt“ wurden und dort überlebt haben.
Exoten haben in unserer Natur nichts zu suchen!

Mit dramatischen Folgen für unsere Flora und Fauna, die mit diesen invasiven Arten längst ein mächtiges Problem hat. Selbst das Polit-Magazin Stern widmete (http://www.stern.de/wissen/natur/ochsenfrosch-der-nimmersatt-306486.html) sich daher bereits dem Ochsenfrosch und sieht hier einen Nimmersatt, der sich in unseren Gewässern allenthalben breit macht:

„Das rüpelhafte Röhren dröhnt so laut über den nächtlich-einsamen See wie ein Rülpser durch die vornehme Stille eines vornehmen Festbanketts“, beklagen hier die Autoren und verweisen auf Naturschützer, die in dem Eindringling (ebenfalls von „Liebhabern“ ausgesetzt) vor allem wegen seines gesegneten Appetits ein Mega-Problem sehen.

Denn unsere heimischen Froschlurche haben im Konkurrenzkampf mit ihren riesigen Vettern kaum etwas zuzusetzen, da Ochsenfrösche so ziemlich alles hinabwürgen (auch unsere heimischen Teichfrösche selbst), was vor ihr gewaltiges Maul kommt!
Zurück zu den Schildkröten:

Freilich können auch bei der Haltung von Landschildkröten viele Fehler gemacht werden. Die Folge sind dann kranke und schlecht gewachsene Tiere, wie sie nun auch die Reptilienauffangstation in München mal wieder (http://www.reptilienauffangstation.de/aufloesung-einer-schildkroeten-maennerwg/) „geerbt“ hat: „Aus Tierbeständen, die aufgelöst werden, können in der Tat meist nur einzelne interessante Tiere verkauft werden“, beklagt Dr. Markus Baur, Fachtierarzt für Reptilien und Leiter der Station.

Aus diesem Grund muss das Gros der Tiere dann meist lange Jahre und unter hohem Kostenaufwand in den Auffangstationen gepflegt werden. Aktuell sucht man in München daher noch Spender und Sponsoren, die eine großzügigere, tier- und verhaltensgerechte Unterbringung der aufgenommenen Landschildkröten ermöglichen wollen.

Statt der eigenen Schildkröte lieber die Tiere in den Zoos besuchen!?

Tatsächlich ist die Haltung von Exoten äußerst anspruchsvoll und sollte stets gut überlegt sein. Viele Experten glauben sogar, dass die Pflege solcher Tiere allein ausgewiesenen Experten und zoologischen Gärten vorbehalten bleiben sollte.

Etwa der „Wilhelma“ in Stuttgart, die nun eine neue mediterrane Anlage für europäische Landschildkröten besitzt:

Die mussten längere Zeit mit einem Provisorium hinter dem Bisongehege vorliebnehmen, sind nun jedoch an den sonnigsten Platz in der Wilhelma neben der Krokodilhalle umgezogen. Statt Gitterzaun, Bisons und Betriebsstraße finden sie hier eine mediterrane Karstlandschaft mit schildkrötengerechten Schlupflöchern und entsprechender Bepflanzung: Zu verdanken ist dies, wie die Pressestelle erklärt, den zahlreichen Tierpaten, die rund 50.000 Euro zusammen brachten.

Geld, das in der Anlage prächtig verbaut wurde. Denn deren Boden besteht vorwiegend aus Kalkschotter und Bimssteinen, die sich hinter der Glaswand bereits mit der ersten Morgensonne auf kuschelige Temperaturen erwärmen: „Für die fehlenden Restgrade sorgen dann zwei leistungsstarke Strahler“, erklären die Pfleger.

Die Anlage glänzt zudem mit zwei flachen Wasserstellen und ist mit Korkeiche, Zistrose, Rosmarin, Thymian sowie Ginster und Gräsern bepflanzt – Voraussetzungen, die auch ein ambitionierter Privathalter nur schwerlich zu bieten vermag.
Ein Areal, auf dem sich die Schildkröten fast wie ihre wilden Verwandten auf dem Olymp fühlen!

Tierpfleger Harald Aberle setzt die Bewohner in die neue Anlage neben der Krokodilhalle. Hier erobern Griechische Landschildkröten, Breitrandschildkröten und ein Scheltopusik, eine beinlose Echse, nun ihr neues Heim.

Landschildkröten

Foto: www.wilhelma.de

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