Mehr Schutz für Rehkitze

Angesichts eines Rehkitzes gibt es kaum ein Menschenherz, das nicht sogleich vor Wonne und Fürsorge überquillt.

Doch nicht jedes junge Reh, das auf einer Wiese oder aber am Waldrand entdeckt wird, ist verwaist … tatsächlich ist ein Eingreifen durch Laien in den meisten Fällen völlig unnötig und auch schädlich.

Daher graust es Tierschützer und Jäger vor den ersten Sommertagen, da ab Anfang Juni in schönster Regelmäßigkeit von Spaziergängern und Joggern Rehkitze entdeckt und dann auch unbedacht bedrängt oder gar angefasst werden:

Meist kommt die Mutter bald zurück!

Denn die wenigsten der vermeintlich verwaisten Rehkitze, die nun auf Feldern, Wiesen oder am Straßenrand entdeckt werden, brauchen auch wirklich unsere Hilfe.

Damit werden diejenigen, die diese Tiere anfassen oder gar aus falsch verstandener Tierliebe mitnehmen, zu einem großen Problem:

„Rehkitze darf man nicht anfassen“, warnt daher derwesten.de und auch die Jäger im Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen plädieren dafür, dass der Nachwuchs der Rehe nur angeguckt, jedoch auf gar keinen Fall berührt wird:

Rehkitze niemals streicheln!

Denn die Kitze brauchen mitnichten menschliche Hilfe: „Selbst wenn weit und breit keine Mutter zu sehen ist, sind die Kitze nicht verlassen!“

So sieht es auch die Tierschutzstiftung VIER PFOTEN und weiß, dass Spaziergänger, die Jungtiere aus Mitleid mitnehmen, oftmals viel Leid anrichten. Die Experten raten daher zu einer sehr genauen Beobachtung und warnen vor jeder falsch verstandenen Tierliebe.

Dazu Thomas Pietsch,  Wildtierexperte bei VIER PFOTEN: „Junge Rehkitze, die offensichtlich keiner direkten Gefahr ausgesetzt sind, dürfen auf gar keinen Fall beim Spazierengehen mitgenommen werden. Dadurch macht man sich der Wilddieberei schuldig, die mit einer Geldstrafe geahndet werden kann!“
Ohnehin sei in den meisten Fällen die Ricke, also die Mutter des süßen Rehnachwuchs, nicht weit.

Der kommt meist im Juni zur Welt und ist das „Ergebnis“ der Brunft, die im Vorjahr auf den August fiel. Die Kitze werden dann von Mama Reh in Getreidefeldern, auf Wiesen oder zwischen Büschen abgelegt, wo sie nur zum Säugen besucht werden.

Leider sind viele dieser Verstecke jedoch nicht so sicher, wie es die weiblichen Elterntiere vermuten … mit der Folge, dass immer wieder Kitze von Menschen entdeckt oder gar von freilaufenden Hunden aufgespürt werden.

Auch Füchse sind ein Problem und ein Grund dafür, warum der Nachwuchs überhaupt versteckt wird. Doch in aller Regel kommt das Muttertier wieder, mahnt VIER PFOTEN.

In jedem Fall sollte man ein vermeintlich verwaistes Kitz also über einen längeren Zeitraum beobachten. Erst wenn man sich ganz sicher ist, dass es verwaist ist oder Hilfe benötigt, sollte man nach Ansicht der Tierschutzstiftung aktiv werden. Und zwar dergestalt, dass eine Wildtierstation informiert wird; bei Tieren, die in Straßennähe abgelegt sind, ggf. auch die Polizei.

Keine leichte Aufgabe:

Selbst „Hand anlegen“ ist tabu. Denn auch für Fachleute bereiten Kitze einen extrem großen Arbeitsaufwand: „Spaziergänger sollten sich also sicher sein, dass das Tier auch tatsächlich Hilfe braucht“, mahnt Pietsch und weiß, dass die Ricke ihr Kitz auf jeden Fall besser als jeder Tierpfleger versorgen kann.

Allerdings ist es so, dass alljährlich viele Rehkitze bei der Mahd einen grausamen Tod finden. Eben deshalb, weil die Kitze auf ihre Tarnfärbung und ihr Versteck vertrauen und daher auch angesichts eines sich nahenden Mähdreschers nicht auf und davon laufen.

Auch der Fernsehsender VOX befasste sich bereits mit dieser Thematik und stellte dabei eine Drohne vor, die zur Suche von Rehkitzen benutzt wird. Die werden dann vom Jagdpächter so geborgen, dass die Ricke später nicht durch den menschlichen Geruch irritiert wird und den Nachwuchs auch wieder annimmt.

Auch VIER PFOTEN ist im Schutz der Rehe, die die kleinste europäische Hirschart darstellen, aktiv und fördert die Wildtierstation Hamburg mit jährlich 100.000 Euro. Denn allein hier werden pro Jahr mehr als 1.500 Wildtiere wie Rehe, aber auch Eichhörnchen und Vögel abgegeben. Die müssen dann nach Auskunft der Tierschützer oftmals auch medizinisch versorgt werden.

Und werden, wann immer möglich, wieder ausgewildert: „Zur Zeit befinden sich neun Kitze in der Auffang-Station!“

Deren Muttertiere wurden Opfer von Autos, Zügen und wildernden Hunden.

Auch Tierhalter können also zum Schutz der Rehe beitragen, indem sie ausschließlich Hunde, die keinerlei jagdliche Passion haben und stets gehorchen, in Wald und Flur frei laufen lassen!

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