Weintrauben am Rebstock blau

Neues aus dem Weinberg: Biologische Schädlingsbekämpfung längs der Obermosel soll forciert werden!

Traubenwickler zählen zu den größten Schädlingen im Weinbau und sind früher von Winzern und Landwirten vor allem mit Insektiziden bekämpft worden …

Doch heute gibt es Alternativen, die auch von den Umweltschützern und Medien freudig begrüßt werden.

Kleine Falter im Hochzeitstaumel:

Denn ein Duftteppich vermag die männlichen Schmetterlinge zu täuschen. Die „Frankfurter Allgemeine“ spricht hierbei von einer biologischen Schädlingsbekämpfung. Und einem Sexualleben der Insekten, das dadurch empfindlich gestört wird.

Denn wenn die Männchen und Weibchen des Traubenwicklers im Frühjahr zu ihrem munteren Hochzeitsflug starten, können chemische Signalstoffe „Herrn Traubenwickler“ arg verwirren. Der nämlich findet seine Partnerin durch Duftbotschaften, die über weite Strecken wahrgenommen werden und für den Schmetterling wie ein betörendes Parfum wirken.

Hier setzen nun auch die Winzer an der Obermosel an und locken die liebestollen Falter mit künstlichen Pheromonen, die in Kunststoffampullen gepackt und ganz gezielt platziert werden, in die Irre.

Die Folge: Die Kleinschmetterlinge (die Flügelspannweite der Traubenwickler beträgt nur etwas mehr als 12 Millimeter!) finden ihre Geschlechtspartnerinnen nicht und können sich somit auch nicht mehr fortpflanzen:

Schmetterling Du kleines Ding, such Dir (k)eine Tänzerin!

Das bekannte Kinderlied, in dem sich der männliche Schmetterling (s) eine Tänzerin, sprich eine Partnerin sucht, wird also ganz bewusst ausgehebelt.

Das saarländische Umweltministerium spricht in diesem Zusammenhang von einer „Pheromon-Verwirrungsmethode“, die einen ganz besonderen Charme hat. Denn die macht den Einsatz von Insektiziden entbehrlich: „Und wenn wir keine Insektizide einsetzen, schonen wir die Natur und vor allem unsere Nützlinge bis hin zur Biene!“

Die Saar-Politik sieht daher gute Gründe, die Einführung und Anwendung dieses umweltfreundlichen „Zaubermittels“ zu fördern. „Das tun wir bereits seit dem vergangenen Jahr“, erklärt dazu Umwelt- und Landwirtschaftsminister Reinhold Jost.

Der überreichte denn auch im Perler Weingut Willy Hartmann dem Präsidenten des saarländischen Winzerverbandes, Helmut Herber, einen Bescheid über eine Fördersumme des Landes für das Jahr 2015, die immerhin 12.650 Euro beträgt.

Dabei steht das Saarland in seinem Bemühen für die biologische Schädlingsbekämpfung im Weinberg jedoch nicht allein.

Länderübergreifende Kooperation:

„Wir arbeiten hier mit Luxemburg und Rheinland-Pfalz zusammen. Denn nur so können wir entlang der Mosel einen größtmöglichen Erfolg dieses Verfahrens erzielen“, glaubt Jost, dass das Dreiländereck für eine gemeinsame Initiative geradezu prädestiniert ist. Und will auch weiterhin für diese sanfte und umweltschonende Methode werben.

Denn noch ist die Anwendung von Pheromonen mit höhere Kosten als der herkömmliche Insektizid-Einsatz verknüpft:

Im Saarland hat man sich daher fürs erste einen Förder-Zeitraum von fünf Jahren verordnet. Und wünscht sich, dass möglichst viele Weinbauern mitmachen. Denn „um den größtmöglichen Erfolg der Maßnahme zu erzielen, ist es notwendig, eine möglichst flächendeckende Einführung des Pheromoneinsatzes auf den Weinbergflächen des gesamten Dreiländerecks beizubehalten!“

Damit diese großräumige Wirkung erzielt werden kann, werden auch Flächen von Winzern aus Luxemburg und Rheinland-Pfalz, die im Saarland liegen, in die Förderung einbezogen. Ein Wir-Gefühl, das offenbar Schule macht. Schließlich titelt auch der „General Anzeiger.de“ mit „Gemeinsam gegen Traubenwickler“ und plädiert damit dafür, „dass den „Schmetterlingsjungs“ auch weiterin der Kopf verdreht wird“.
Das – bzw. die Pheromon-Methode -, nämlich bedeute aktiven Umweltschutz!

Die Obermosel ist für ihre Weinberge und edlen Tropfen berühmt.

Hier, an den steilen Hängen, reifen Spitzenweine, die nun mit einer sanften und umweltverträglichen Methode vor Schädlingen geschützt werden sollen.

Foto: Peter Hoffmann

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