Totholz bemoost zwischen Buschwindroeschen Querformat

Totholz ist nicht nur für Spechte und andere Höhlenbrüter ein Gewinn!

„Stehendes Totholz begründet viel neues Leben im Wald“, schreibt Wolf-Eberhard Barth in seinem „Praktischen Umwelt- und Naturschutz“ (Paul Parey Verlag) und verwies damit bereits Ende der 1980 er Jahre darauf, wie wichtig vermodernde Baumstämme in unseren Wäldern sein können …

Und auch der Naturschutzbund NABU bestätigt. Ja, das möge vielleicht paradox klingen, doch absterbende Bäume und Totholz seien das Lebenselixier eines jeden Waldes. Denn hier entsteht neues Leben, stellen sich wahre Heerscharen von Insekten, und Würmern ein und finden Kleintiere wie auch viele baumbrütende Vogelarten Rückzug und Quartier.

Kein gutes Zeichen also, dass in unseren rein auf die Holzgewinnung und den wirtschaftlichen Gewinn hin optimierten Wäldern die meisten Bäume lange Zeit vor ihrem natürlichen Ende gefällt werden!

Wirtschaftswald contra Urwald?

Dabei sind, wie es bereits Barth`s Headline andeutet, gerade die stehenden Baumruinen äußerst wertvoll. Doch auch in liegenden und morschen Stämmen, die allmählich vergammeln, wimmelt es von Leben. Denn stirbt ein Baum, dann zieht automatisch neues Leben in ihn ein, erklärt der NABU Baden-Württemberg: „Zusammen mit Pilzen und Bakterien besiedeln ihn ein Millionenvolk von Gliedertieren, unter anderem Käfer, Spinnen, Asseln und Springschwänze!“

Totholz steckt damit voller Leben. Die NABU Gruppe Bretten sieht hier sogar echte „Inseln“ für seltene Tiere in denen Spinnen wie auch Spechte leben und Nahrung vorfinden.

Tatsächlich ernähren sich ja gerade unsere Spechte von Insekten, die sie unter der Baumrinde bzw. Borke hervor puhlen und können damit auf morsche Stämme nur schwerlich verzichten. Zudem zählen die Vögel zu den typischen Höhlenbrütern, die sich in morsche Stämme für ihren Nachwuchs ein sicheres Heim zimmern.

Doch „nicht jeder Specht findet in einem weit ausgedehnten Forste einen passenden Baum“, wusste bereits Alfred Edmund Brehm, wobei dem Autor des weltberühmten Tierlebens auch die Folge dieses Mangels, nämlich die Abwanderung der Spechte, durchaus vertraut war.

Was bereits Brehm gewusst hat!?

Tatsächlich benötigt auch der Grünspecht, immerhin Vogel des Jahres 2014, ganz bestimmte Parameter, wie knorrige alte Obstbäume. Doch auch in lichten Wäldern mit alten Baumstämmen fühlt sich Picus viridis wohl.

Generell gehören, wie die NABU Kreisgruppe Bonn erklärt , Spechte zu den auffälligsten Vogelarten unserer Heimat. Ein äußerst beliebtes Wildtier, dessen Trommelwirbel jedem Wanderer und Spaziergänger noch wohl vertraut ist.

Doch die Hauptnahrung, zum Beispiel der Buntspechtes, bestehe nun mal aus Insekten und deren Larven, die vor allem unter der Baumrinde gesucht werden. Ohne artenreiche Laubwälder mit reichlich Totholz werden damit auch die Zimmerleute des Waldes selten.

Ebenso wie der Kleiber, der bereits 2006 zum Vogel des Jahres gekürt wurde. Denn auch Kleiber leben hauptsächlich animalisch von Insekten und diversen Spinnentieren und benötigen daher artenreiche Laub- und Mischwälder mit reichlich Totholz.

Die Altholzbestände sind damit für viele Vogelarten unverzichtbar und dürfen auch in der modernen Fortwirtschaft nicht zu sehr ausgedünnt werden. Schließlich ist Totholz zugleich Lebensraum wie auch Grundlage für neues Leben, wenn es von Pilzen und Bakterien allmählich zersetzt und schließlich in wertvollen Humus transformiert wird!

Ob (noch) stehend oder (schon) liegend: Totholz und vermodernde Baumstämme sind ökologisch äußerst wertvoll. Zudem tragen sie, mit ihrem urwüchsigen Aussehen, zur Attraktivität unser Wälder bei. Wann immer möglich und wo keine Sicherheitsbedenken dagegen sprechen, sollten alte Bäume also von der Kettensäge verschont werden!

Fotos: Peter Hoffmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *