Tagpfauenauge

Unser Landhunger wird für die Natur zu einem zunehmenden Problem

Bereits allgemeine Online Lexika wie Wikipedia wissen, dass der Begriff „Landschaft“ stark vom subjektiven Empfinden des Betrachters geprägt wird.

Dennoch müssen wir einsehen, dass in Deutschland mehr Fläche als nötig zersiedelt und verbraucht wird …

Zumindest die Naturlandschaft scheint also zu schwinden. Das jedenfalls befürchtet der Naturschutzbund NABU, der uns die Zahl von über (!) 100 Fußballfeldern mit auf den Weg gibt:

Gehen wir zu leichtfertig mit unseren natürlichen Ressourcen und Lebensräumen um?

Denn so groß ist die Fläche, die in Deutschland jeden Tag (!) für den Bau weiterer Siedlungen, für Straßen, Wohnungen und Gewerbegebiete zubetoniert und verbraucht wird.

Bereits in den 1980 er Jahren sah („Praktischer Umwelt- und Naturschutz“/Paul Parey Verlag) Forstoberrat Dr. Wolf-Eberhard Barth hier ein großes Problem, eine geradezu alarmierende Flächenbilanz und prangerte die Zersiedlung unserer Landschaft sowie den Isolationseffekt von Straßen und Wegen an.
Ein Prozess, den wir bis heute nicht gestoppt haben.

Denn „hochgerechnet auf ein Jahr, ist die verbrauchte Fläche mit 25.765 Hektar größer als die gesamte Stadt Frankfurt am Main“, erregt sich der NABU. Und geht damit auf ein leidiges Thema ein, das auch bei unseren Nachbarn sehr präsent ist:

Ein gesamteuropäisches Problem?

Denn auch in der Schweiz macht die Zersiedlung den Experten offenbar Sorgen. Und das selbst in ländlichen Regionen, wo nach Informationen des Tages Anzeigers die schmucken Reihenhaussiedlungen wie die  sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden schießen. Ein Problem, das offenbar auch unsere Politiker erkannt haben.

Daher hat sich die deutsche Regierung eine so genannte Nachhaltigkeitsstrategie auf die Fahnen geschrieben und damit bereits im Jahre 2002 das Ziel ausgerufen, den täglichen Landschaftsverbrauch (und zwar bis 2020) auf 30 Hektar zu reduzieren; nach NABU-Angaben hatten sich auch sämtliche nachfolgenden Bundesregierungen zu diesem Ziel bekannt.

Schöne Worte, denn trotz einiger Fortschritte liege das „30-Hektar-Ziel“ nach wie vor in weiter Ferne, beklagt der NABU und verweist in (s) einer Presseerklärung auf die aktuell gut 70 Hektar, die pro Tag verbraucht werden. Damit ist bereits zur Jahresmitte der Zeitraum erreicht, zu dem die Bagger eigentlich still stehen müssten.

Tatsächlich fragen sich Naturschützer angesichts des nach wie vor gigantischen Flächenverbrauchs, ob es unsere Politiker mit dem 30-Hektar Ziel überhaupt noch ernst meinen!?

Zumal die Bevölkerung schrumpft, ein Ausufern unserer Städte und Siedlungen also bestimmt nicht demographisch zu erklären ist … der NABU fordert denn auch einen Um- und Neubau im Innenstadtbereich, statt immer mehr Natur und Landschaft am Ortsrand zu opfern.

Schließlich brauchen wir gerade in unseren Ballungsgebieten auch Natur und „grüne Lungen“. Ein flächensparendes Wohnkonzept könnte damit – letzten Endes -, auch zu gesünderen Lebensbedingungen und mehr Lebensqualität beitragen.

Schließlich können Büsche und Grünstreifen Abgase aus der Luft filtern. Der NABU sieht in einer verstärkten Nutzung der bereits bestehenden Siedlungen und Wohn(an)lagen zudem einen weiteren Charme. Nämlich kürzere Wege und damit auch weniger Verkehr: „Angesichts sinkender Bevölkerungszahlen ist jeder Hektar neu verbaute Landschaft ein Hektar zu viel“, argumentiert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Zumal auch die Kosten immens sind. Denn die Ausgaben für wachsende Verkehrs- und Leitungsnetze sind laut Miller für viele Kommunen immer schwerer zu stemmen und müssen dann auf Gebühren umgelegt werden.

Gleichzeitig werden die Wege zur Schule, zum Einkauf und zur Arbeit immer länger, während ganze Ortskerne veröden und immer mehr Gebäude leer stehen:

Haben wir zu viel Leerstand?

Der Kölner Stadt-Anzeiger machte daher bereits 2007 gegen die Verödung unserer Ortskerne mobil. Denn „im Zentrum stehen viele Häuser leer, in anderen wohnen nur noch ein oder zwei Menschen, die schon älter als 70 Jahre sind“, klagten hier die Autoren am Beispiel der Gemeinde Dahlem.

An anderer Stelle wird dann aber, wie der NABU beklagt, Natur und Landschaft durch (Neu)Baumaßnahmen unwiederbringlich zerstört. Mit dramatischen Folgen für die heimische Tierwelt. Denn wenn wir Menschen unsere Siedlungen bauen und unser Straßen- und Wegenetz immer weiter vorantreiben, zerschneiden wir die letzten intakten Lebensräume und ruinieren damit auch die biologische Vielfalt.

Unser Landhunger wird damit für die Natur und den Artenschutz zu einem zunehmenden Problem. Denn „wo ist nur der Schmetterling, wo sind sie geblieben“, fragt sich nicht nur die Welt. Dabei ist der Schwund unserer bunten Falter leicht erklärt. Denn die finden immer weniger Wiesen und Brachland.

Weil wir Menschen, statt die Natur zu schützen, immer mehr Landschaft verbrauchen, Feuchtwiesen trocken legen und Grünland zubetonieren.

Dadurch sind dann nicht allein die bunten Frühlingsboten bedroht. Denn auch Feldhasen und viele Singvögel sind auf dem Rückzug, was unter anderem, wie das Erste berichtete, mit einem Mangel an Hecken und Brache zu tun hat!

Wenn immer mehr Brachland vernichtet wird und die bunten Kräuterwiesen rar werden, kommen auch unsere Falter in Not!

Fotos: Peter Hoffmann

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