Vogelschutz contra Architektur?

Im Innern der Wohnung hören wir oftmals nichts weiter als einen dumpfen Knall

… doch wieder einmal ist ein Vogel an unseren Glasscheiben getötet oder zumindest verletzt worden:

„Jährlich sterben tausende Vögel durch sogenannte Scheibenanflüge, denn durchsichtiges Glas wird von den Tieren nicht als Hindernis wahrgenommen“, beklagt daher Ursula Bauer von der „aktion tier“ in Berlin.

Ein tödliches Hindernis:

Tatsächlich ist der Vogelschlag heute sogar für allgemeine Online-Lexika wie Wikipedia ein Thema. Ein Begriff, mit dem freilich auch der Zusammenprall mit Stromleitungen oder aber der Kontakt mit einem Flugzeug (was dann auch für die Insassen fatal sein kann) gemeint ist.

Doch häufiger sind es Immobilien, die für unsere Piepmätze zu einer tödlichen Gefahr werden. Ganz einfach, weil Vogelaugen die Glas- und Fensterfronten an unseren Wohnhäusern, Bürokomplexen und Wintergärten nicht als Hindernis wahrnehmen: „Je nach Lichteinfall spiegeln Glasflächen auch die umgebende Landschaft und vermitteln den Vögeln den Eindruck, einfach weiterfliegen zu können“, wissen Bauer und die „aktion tier“.

Ein wenig Faulheit kann Leben retten!

Die Wikipedia-Autoren geben den Usern daher einen einfachen Tipp, der auch noch Zeit und Kraft spart. Nämlich die Fenster nicht (so oft) zu putzen, weil Staub und Schmutz die Scheiben dann matt machen.
Zum Glück endet auch nicht jeder Zusammenprall mit einem Fenster oder einer Glasfront tödlich.

Vielmehr sind die Tiere nach Auskunft der „aktion tier“ durch den Aufprall oft auch „nur“ benommen und nach einer gewissen Erholungsphase wieder flugfähig: „Wenn man keine äußeren Verletzungen feststellen kann und der Vogel nur benommen wirkt, sollte man ihn draußen in einen geöffneten und mit einem Handtuch ausgepolsterten Karton setzen und beobachten!“

Natürlich wählt man hier einen Stellplatz, der halbwegs katzensicher und vor freilaufenden Hunden geschützt ist. Eine erhöhte Position auf einer Mauer oder dem Gartentisch kann also Sinn machen: „Sobald sich der Vogel regt und wieder munter ist, kann man ihn vorsichtig in die Hand nehmen und fliegen lassen“, erklärt die Tierschutzexpertin.

Dabei sollte man den gestrandeten Piepmatz jedoch keinesfalls „beherzt“ die Luft werfen, sondern stattdessen ganz einfach seine flache Hand unter dem Tier öffnen. Denn der Vogel soll selbst entscheiden, wenn er wieder bereit zum Fliegen ist.

Bleibt der Piepmatz auch nach einer Stunde noch immer matt und weitgehend reglos liegen, hat er wahrscheinlich ein starkes Hirntrauma und/oder innere Verletzungen erlitten, befürchtet die Diplom-Biologin: „Wie bei äußeren Verletzungen, kann auch hier nur ein entsprechend qualifizierter Tierarzt helfen!“

Was ist zu tun?

Um derartiges Tierleid zu verhindern, hat das Bundesamt für Naturschutz bereits 2012 einen Leitfaden für das vogelfreundliche Bauen herausgebracht. Tatsächlich nämlich ist in den letzten Jahren viel auf diesem Sektor geforscht worden, da sich Greifvogel-Silhouetten als abschreckende Maßnahme nicht wirklich bewährt haben.

Tatsächlich werden sich Scheibenanflüge niemals ganz verhindern lassen, glaubt auch die „aktion tier“. Denn großflächige Glasfronten sind nun mal ein charakteristischer und bei den Kunden begehrter Bestandteil unserer modernen Architektur.

Dennoch gibt es Möglichkeiten, Vögel vor einem Aufprall zu bewahren. So ist Milchglas oder strukturiertes Glas aufgrund der geringeren Reflektion weniger gefährlich. Auch vorgezogene Gardinen oder Rollos machen Glasflächen für Vögel besser erkennbar, weiß Bauer, die auch schon mit beweglichen Elementen wie Mobiles oder eng aneinander angebrachten Aufklebern experimentiert hat.

Eine unterschätzte Gefahr:

Und das scheint auch bitter nötig. Schließlich sind nach Auskunft des „Bunds für Vogelschutz und Vogelkunde Herdecke und Hagen“ Fensterfronten und Glasscheiben, zusammen mit Verkehrsunfällen, heute bei Vögeln die Todesursache Nummer 1 und stellen damit ein immenses, allein durch uns Menschen geschaffenes Problem dar.

Es ist also nicht allein die zunehmende Zerstörung der Lebensräume, die für unsere gefiederten Freunde zu einer Gefahr wird.

Dennoch gibt es, wie der BUND im Rhein-Sieg-Kreis beklagt, nach wie vor zu wenig Anstrengungen, dieses Problem anzugehen und zu lösen. Häufig würden die Todesraten „klein geredet“, zumal ja auch viele Kadaver durch Katzen oder Füchse rasch entsorgt werden.

Die Dunkelziffer dürfte daher, in der Tat, hoch sein. Doch die Experten gehen von Millionen Todesopfern aus. Und wissen, dass manchmal bereits mit kleinen Maßnahmen und wenig Aufwand viel erreicht wird:
Gut bewährt hat sich nach Ansicht der „aktion tier“ nämlich der im Fachhandel für Naturschutzprodukte erhältliche „birdpen“, ein Stift, mit dem ein für Menschen nicht sichtbares (!) Muster auf die Scheiben gemalt wird.

Wer dann noch seltener putzt, kann zudem mit Fug und Recht sagen, dass er im Vogelschutz aktiv war!

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