Phalaenopsis auf der Fensterbank mit 100 mm Makro von Sigma

Vorsicht bei Auslandsreisen: Zoll und Bundesumweltministerium warnen vor illegalen Urlaubs-Souvenirs!

Für den arglosen Urlauber mag das Korallenstück nichts weiter als eine nette Erinnerung an eine schöne und unbeschwerte Zeit sein …

Behörden sehen das jedoch meist völlig anders. Und so wird der kritische Blick der Zöllner auch heuer wieder das ein oder andere illegale Urlaubs-Souvenir in den Koffern und Reisetaschen aufspüren:

So wie unlängst, als die Beamten in einem Päckchen aus den Staaten die Haut einer mächtigen Würgeschlange entdeckt haben.

Sicherstellung wegen fehlender Genehmigung:

Da musste der Zoll – berufsbedingt – (s) ein Veto einlegen. Schließlich handelt es sich bei dem Königspython um eine geschützte und vom Aussterben bedrohte Tierart, die im Washingtoner Artenschutzabkommen auch als solche deklariert ist.

Gehandelt werden darf das Tier (bzw. dessen Endprodukte) daher nur mit einem amtlichen Nachweis, der eine Herkunft aus einem Zuchtbetrieb belegt. Die jedoch konnte die Schlangenliebhaberin nicht vorlegen. Das Zollamt Reischenhart sah daher nur einen möglichen Weg – die Sicherstellung der Schlangenhaut.

Nicht anders erging es einer Frau aus dem Landkreis Ebersberg, die sich sogar einen kompletten Wolfsschädel sowie mehrere kleine Wolfsknochen aus den Staaten bestellt hatte: „Weil diese Exemplare massiv vom Aussterben bedroht sind und der Handel zu kommerziellen Zwecken generell untersagt ist, hätte sie sowohl eine in den USA ausgestellte Genehmigung sowie eine sogenannte Einfuhrgenehmigung für Deutschland benötigt“, erklärt die Pressestelle des Zolls und zog auch diese „Dekor“gegenstände ein.

Bundesumweltministerin zeigt sich besorgt!

Tatsächlich kennt auch das Bundesumweltministerium diese Problematik und möchte daher, vor der großen Reisewelle, noch mal in Sachen Artenschutz mobil machen. Und das aus gutem Grund:

Schließlich beschlagnahmen die zuständigen Zollämter Jahr für Jahr mehrere 10.000 Mitbringsel. Bundesumweltministerium (BMUB) und Bundesfinanzministerium (BMF) warnen daher nachdrücklich vor fragwürdigen Reise-Souvenirs, da die nicht nur beschlagnahmt werden, sondern im Zweifel natürlich zudem ein Bußgeld verhängt wird:

„Auch 40 Jahre nach Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) ignorieren noch immer viele Touristen die geltenden Einfuhrverbote“, befürchtet Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks.

Eine Regelung, die (siehe oben genannte Fälle) keineswegs auf lebende Tiere oder Pflanzen beschränkt bleibt. Denn auch die Einfuhr von Teilen geschützter Exemplaren und/oder daraus gewonnenen Erzeugnissen kann strafbar sein: „Regelmäßig während der Reisezeit schnellen die Beschlagnahmezahlen bei den Zollämtern in die Höhe“, beklagt auch Hans-Josef Haas, Präsident der Bundesfinanzdirektion West.

So hat der Zoll allein im letzten Jahr an deutschen Flughäfen bei etwa 1.000 Beschlagnahmen über 70.000 Gegenstände sichergestellt. In mehr als 90 Prozent dieser Fälle waren Touristen betroffen, die unerlaubte Mitbringsel im Gepäck hatten. Darunter lebende Schildkröten und Orchideen, aber auch Steinkorallen, Elfenbeinschnitzereien, Erzeugnisse aus Reptilienleder oder Störkaviar.

Tatsächlich kann die Zöllner so schnell nichts mehr überraschen und sind auch schon in Alkohol „schwimmende“ Kobras entdeckt worden!

Damit ist und bleibt die Liste der beschlagnahmten Gegenstände nach wie vor viel zu lang. Die Ausreden dagegen klingen stets gleich. Denn meist wird argumentiert, dass man das alles nicht so genau gewusst habe. „Vielen Urlaubern ist in der Tat überhaupt nicht bewusst, dass manche Waren aus geschützten Arten nur deshalb produziert oder gewildert werden, weil es eine kontinuierliche Nachfrage durch die Touristen gibt“, wundert sich  Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Und warnt vor den Strafen, die im Raum stehen. Wie auch vor Missverständnissen am Schalter der Zöllner.

Denn natürlich kann Reptilienleder heute auch auf speziellen Farmen gekauft werden. Das jedoch sieht man dem daraus hergestellten Gürtel nicht mehr an, so dass, wenn dieser legalisiert werden soll, für den Transport über die Grenzen genaue Nachweise und Genehmigungen nötig sind.

Im Zweifel sollten Urlauber daher auf solche Erinnerungsstücke verzichten und sich lieber mit Fotos begnügen.

Das gilt auch bei Strandfunden, da man zum Beispiel einer Koralle im Nachhinein nicht ansehen kann, ob die mit Absicht abgebrochen oder von den Naturgewalten abgerissen und dann als Treibgut am Strand angeschwemmt wurde!

Vorsicht und Verzicht sind daher besser als ein peinliches Rendezvous mit dem Zoll. Auf jeden Fall sollten sich Touristen, die ihre Urlaubsmitbringsel nicht missen wollen, vorher auf den einschlägigen Internetportalen (zum Beispiel www.zoll.de oder www.artenschutz-online.de) darüber informieren, was erlaubt und was verpönt ist.

Der Kauf einer Orchidee im Gartencenter oder Supermarkt stellt natürlich gar kein Problem dar … anders sieht es bei Exemplaren aus, die am Urlaubsort ausgegraben oder gepflückt wurden!

Foto: Peter Hoffmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *