Border Collie Sammy im Herbstwald

Welcher Hund passt zu mir?

Mitunter hören wir von vermeintlichen Hundekennern, dass nicht der Halter seinen neuen Gefährten ausgesucht, sondern sich vielmehr das Tier (s) einen Herrn gewählt hätte …

Eine ziemlich unsinnige Vorstellung. Denn tatsächlich sollte und muss ein Hund, der uns lange Jahre unseres Lebens begleiten soll, mit Bedacht ausgewählt werden:

Drum prüfe, wer sich lange bindet!

Daher muss nicht zwangsläufig der erste Hund, der aus (s) einem Welpenrudel auf uns zuläuft, uns leckt und an unserer Kleidung herumnestelt, der ideale Partner für uns sein. Vielmehr könnte auch derjenige Welpe, der sich schüchtern in seine Ecke kauert und dezent im Hintergrund hält, voller Charme sein.

Denn wie wollen wir unseren zukünftigen Begleiter haben, und welche Eigenschaften erwarten wir von einem Hund? Soll der mehr/eher ein Draufgänger oder stattdessen zurückhaltend und „bedacht“ sein?

Verschiedene Charaktere:

Noch weit mehr als innerhalb eines Wurfs unterscheiden sich die Charaktere natürlich bei den einzelnen Rassen. Da gibt es echte Stubenhocker wie die Französischen Bulldoggen, die mit vergleichsweise wenig Auslauf und Bespaßung klarkommen. Andere dagegen wollen und müssen stets aktiv sein und werden diese Beschäftigung seitens ihrer Halter auch einfordern:

„Leider wird das neue Familienmitglied jedoch häufig aufgrund seines Aussehens ausgewählt“, beklagt die „Aktion Tier“ und weiß, dass gerade bei Anfängern in der Hundehaltung oftmals vermeintliche Schönheitsideale entscheiden.

Doch davor kann Ann Kari Sieme, Mitarbeiterin der „Aktion Tier“, nur warnen. Denn „nur wenn der Hund auch charakterlich zu Ihnen passt, kann das Zusammenleben auf Dauer gut funktionieren“, mahnt die Hundetrainerin dazu, auch die rassetypischen Eigenschaften zu beachten:

Bestimmte Eigenschaften wurden angezüchtet!

Denn der Charakter unserer Hunde weist eine große Bandbreite auf und ist sogar züchterisch gefördert und gewollt worden. Viele Verhaltensmuster liegen damit quasi in den Genen.

So gibt es, Ann Kari Sieme zu Folge, Rassen mit einem starken, angeborenen Jagdtrieb wie beispielsweise Weimaraner, Deutsch Drahthaar und Pointer. Hüte- und Treibhunderassen wie Kangal, Border-Collie oder Australien Shepherd haben dagegen einen ausgeprägten Wach- und Schutztrieb. Und der darf gerade beim mächtigen und kraftvollen Kangal keineswegs unterschätzt werden.

Zudem gilt, dass alle Rassen, die ursprünglich als Arbeitshunde gezüchtet wurden, viel Auslauf und Ansprache benötigen. Das gilt für Schutzhunderassen wie den Dobermann oder Deutschen Schäferhund ebenso wie für Retriever, die aus einer Zuchtlinie stammen, die auf Leistung und Arbeitseifer optimiert wurde.

In einer normalen Familie würden solche Hunde verkümmern und bald das ein oder andere Problem machen.

Dies gilt nach Auskunft der „Aktion Tier“ auch für viele Jagdhunde, selbst wenn die mitunter eher von zierlicher Statur sind. Denn „selbst ein kleiner Jack Russel hat einen außerordentlichen Bewegungsdrang und einen großen Jagdtrieb!“

Die heute so beliebten Modehunde benötigen daher unsere volle Aufmerksamkeit und sollten niemals in einer Familie mit kleinen Kindern „mal so nebenher mitlaufen“.

Und wenn es denn ein Mischling sein soll?

Im Gegensatz zu Rassehunden, bei denen ein klar definiertes Aussehen meist auch mit bestimmten Charakterzügen verknüpft ist, liegen bei Mischlingen Herkunft und damit auch die wahrscheinlichen Wesenszüge oftmals im Dunkeln: „Bei Mischlingshunden sind zum Teil viele Erbanteile unterschiedlicher Rassen vereint, die teilweise dominant in Erscheinung treten und manchmal nichts mit dem äußeren Erscheinungsbild zu tun haben“, erklärt in diesem Zusammenhang die „Altion Tier“.

So kann eine rundliche, eher gemächlich wirkende Fellkugel durchaus eine niedriges Aggressionspotential oder einen nervösen Charakter besitzen: „Hier hilft nur, das Tier vor der endgültigen Übernahme durch mehrere Besuche kennen und beurteilen zu lernen!“

Rassebedingte Probleme:

Zudem gibt es bestimmte Rassen, die nahezu zwangsläufig mit gesundheitlichen Problemen und den Folgen einer Überzüchtung verknüpft sind. Die sollten nach Ansicht der „Aktion Tier“ für echte Hundefreunde von Anfang an tabu sein. Genannt werden hier in einer Pressemitteilung Zuchtziele wie das Herauszüchten extrem kurzer Nasen oder ein fehlendes Fellkleid. Tatsächlich nämlich müssen wir einsehen, dass viele dieser einstigen Zucht- und Schönheitsideale, die heute als Qualzucht eingestuft werden, mit gesundheitlichen Spätschäden und damit auch mit einer finanziellen Belastung für den Halter verknüpft sind.

Um den passenden vierbeinigen Begleiter zu finden, sollten wir uns daher vor allem eines, nämlich Zeit lassen: „Auch Ihre Wohnverhältnisse, das Umfeld und Ihr Alter sollte bei der Wahl des Hundes mit berücksichtigt werden“, rät Ann Kari Sieme abschließend. Denn nur ein aktiver Mensch mit großem Unternehmungsdrang sollte sich einen sportlichen Hund auswählen: „Gehören Sie dagegen zur Kategorie „Couch-Potato“, passt ein Hund mit eher gemütlichem Wesen gut zu Ihnen!“

Bei der Anschaffung eines Hundes sollten wir uns Zeit lassen und – neben dem Aussehen -, auch das Verhalten und damit quasi die „inneren Werte“ auf uns wirken lassen!

Foto: Peter Hoffmann

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