Wenn Elche und andere Wildtiere wandern

Wenn Elche und andere Wildtiere wandern

Ich glaub`, mich knutscht ein Elch … wer dachte nicht an diese Redewendung, als uns die Bilder eines Elchbullen, der mitten in einer Firmenkantine stand, via TV erreicht haben!?

Am Ende hätte nur noch das Betäubungsgewehr geholfen, vermeldet die Welt, während der Spiegel weiß, dass das Tier, nach seiner Stippvisite in Dresden und bei Siemens, wieder zurück in den Wald verbracht wurde:

Der Bulle habe die für seine Befreiung nötige Betäubung gut überstanden und sei in einen Wald in Ostsachsen gebracht worden, zitiert man hier Dresdens städtische Verwaltung.

Ein beeindruckendes Wildtier!

Tatsächlich sind Elche mit einem Lebendgewicht von bis zu 500 Kilogramm (allein das mächtige Schaufelgweih kann 20 Kilogramm schwer werden!) beeindruckende Gesellen und können, fühlen sie sich in die Enge getrieben, durchaus ungemütlich reagieren. Zumindest jedoch können die Tiere in ihrer skandinavischen Heimat für den Straßenverkehr zu einer Gefahr werden:

Wildwechsel-Warnschilder seien daher zum Beispiel in Finnland unbedingt zu beachten, mahnt das Auswärtige Amt in seinen landesspezifischen Sicherheitshinweisen. Denn: „Elche oder Rentiere überqueren häufig die Straße, vor allem in der Dämmerung!“

Selbst hier in Deutschland ereignen sich immer wieder spektakuläre Unfälle, wie die Bild-Zeitung entdeckt hat. Denn plötzlich sei das riesige Tier auf der A 10 gestanden und auch prompt von einem VW Polo gerammt worden:

Der Elch kehrt zurück!

Ein Unfall, den der Elch, der anschließend noch von einem LKW überrollt wurde, nicht überlebt hat.

Der kehrt in der Tat, ganz allmählich, nach Deutschland zurück, wo Elche noch vor 1.000 Jahren in freier Wildbahn gelebt haben. Hauptverbreitungsgebiet von Alces alces, der größten heute noch lebenden Hirschart, sind freilich Nordamerika sowie Norwegen, Schweden, Finnland und die baltischen Staaten. Auch in der Mongolei leben Elche.

Hier grasen die stattlichen Tiere allerlei Pflanzenkost vom Boden, können aber auch die Bäume und Sträucher leer rupfen … dennoch begrüßen Naturschutzverbände wie der NABU die Rückkehr der Elche. Einwanderer aus dem Osten, die zum Beispiel in Brandenburg seit den 1990 er Jahren immer wieder entdeckt werden: „Die jungen Elchbullen, welche zumeist aus Polen in das östliche Brandenburg einwandern, sind auf der Suche nach neuen Revieren oder einer geeigneten Partnerin“, weiß NABU-Säugetierkundler Dr. Dietrich Dolch.

Straßenverkehr contra Tier- und Naturschutz?

Dennoch zeigten die jüngsten Ereignisse noch einmal nachdrücklich, wo den Tierschützern und in Sachen Wiederansiedlung der sprichwörtliche Schuh drückt. Denn die wird – und das auch in Bezug auf andere Wildtiere -, ohne so genannte „Grünbrücken“ kaum möglich sein: „Das Beispiel des jungen Elchbullen zeigt, dass wir unsere Landschaft wieder durchgängiger für Tierarten mit großen Raumansprüchen machen müssen. Einmal hatte der Elch die Bundesautobahn schon überquert, ein zweites Mal hätte er es vielleicht nicht geschafft“, erklärt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Tatsächlich seien die potenziellen Wanderrouten der Elche vielerorts durch Straßen unterbrochen, geeignete Lebensräume so nur schwer erreichbar. Der NABU sieht daher die Bundesregierung in der Pflicht, das im Jahr 2012 beschlossene „Bundesprogramm Wiedervernetzung“ endlich konsequent anzugehen und nun für eine zügige Umsetzung zu sorgen. Denn „von den in diesem Papier identifizierten 93 prioritär erforderlichen Querungsbauwerken an deutschen Fernstraßen wurde erst ein einziges Projekt auf regulärem Wege fertig gestellt, wenige weitere sind in Bau oder in der Planungsphase!“

Derzeit sehen und beklagen die Naturschützer daher eine Flaute in Sachen Wiedervernetzung.

Ohnehin können Querungshilfen das Problem der Zerschneidung von Lebensräumen nicht vollständig beseitigen. Wir – und vor allem die Wildtiere -, müssen also mit der Zersiedelung unserer Landschaft leben und klar kommen. Damit indes stellen Grünbrücken für größere und mobile Arten die einzige Hilfe für den Ortswechsel innerhalb ihres Lebensraumes dar!

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