Wer rettet unsere Singvögel?

In ALL4PETS ist unlängst die „Ganzjahresfütterung unserer Wildvögel“ thematisiert worden. Die Bereitschaft, dem dramatischen Rückgang unserer freilebenden Wildvögel durch diese sinnvolle Maßnahme entgegen zu wirken, sei in den letzten Jahren stark gestiegen, heißt es hier …

Dabei ist die Ganzjahresfütterung ein Thema, das lange Zeit eher verpönt war: „Entgegen der weit verbreiteten Meinung, man solle am Winterende die Vogelfütterung einstellen, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass das ganzjährige Ausbringen von Vogelfutter einen ergänzenden Beitrag zum Erhalt unserer Vogelvielfalt leisten kann“, bestätigt (https://www.sielmann-stiftung.de/aktuelles/vogelfuetterung-rund-ums-jahr/) nun jedoch auch die Heinz Sielmann Stiftung.

Pro und Contra

Der Naturschutzbund NABU dagegen zeigte sich, zumindest 2007, noch kritisch und unkte (http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/tippsfuerdiepraxis/06331.html) über jenen „Freiluft-Zoo“. Und das schon deshalb, weil an den meisten Futterstellen allenfalls die bekannten und häufigen Arten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Amseln gespeist würden.

Tatsächlich würden, so der NABU, selten mehr als 10 oder allenfalls 15 Arten profitieren.

Unsere Natur verarmt!

Hier sehen die Experten daher einen anderen Weg und fragen, ob nicht unbewirtschaftete Ackerrandstreifen und weniger Pestizide in Landwirtschaft und Kleingärten der richtige Weg wären?

Tatsächlich verweist auch die die Heinz Sielmann Stiftung darauf, dass viele Haus- und Schrebergärten alles andere als ökologisch angelegt sind. In einem blitzblank geputzten Garten mit einem millimeterkurz getrimmten Rasen aber werden sich, trotz ganzjähriger Fütterung, unsere Piepmätze niemals wirklich wohl fühlen!

So beklagte Wolf-Eberhard Barths „Praktischer Umwelt- und Naturschutz“ (Paul Parey Verlag) bereits in den 1980 er Jahren, dass viele Rasenflächen, zumal in Kurparks und Schrebergärten, regelrecht „tot gepflegt“ werden und damit biologisch extrem verarmen: „Finger weg von jedem Feldrand“, forderte der Autor in einer weiteren These. Ja, eine extensivere Nutzung und weniger Pestizide könnten bereits viel erreichen …

Wer hat`s erfunden?

Womöglich müss(t)en wir also, in Sachen Vogelschutz, ganz andere Stellschrauben bewegen, auch wenn die Welt in der Vogelfütterung sogar eine moralische Verpflichtung (http://www.welt.de/wissenschaft/tierwelt/article5910484/Voegel-fuettern-ist-unsere-moralische-Pflicht.html) sieht. Schließlich habe gerade Deutschland das Vogelfüttern erfunden, zitiert man hier Peter Berthold, einen bekannten Ornithologen und erwiesenen Verfechter der ganzjährigen Fütterung.

Doch vermutlich können Futterhäuschen allein unsere Gefiederten nicht retten. Wir brauchen wieder mehr Wildkräuter, mehr Hecken, müssen einsehen, dass vielerorts auch streunende und freilaufende Katzen ein Problem sind.

Der NABU mahnt daher dazu, die Stubentiger im Mai und Juni nicht nach draußen zu lassen. Kleingärtner indes müssten (http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/tippsfuerdiepraxis/01963.html) ihre Futterstellen und Nistplätze, aber auch die Amphibien- und Reptilienstandorte vor den Samtpfoten sichern.

Wenn wir füttern, müssen wir dies also richtig tun. Will meinen, die Futterstellen optimal positionieren, regelmäßig sauber halten und – gerade im Sommer -, rechtzeitig mit Futter beschicken. Denn Piepmätze sind Frühaufsteher und werden bereits mit dem ersten Hahnenschrei munter!