Mammutbäume

Wie in Württemberg Nordamerikas Wildnis ein neues Heim fand?

Mammutbaum – das klingt gewaltig. Und in der Tat sind Mammutbäume die größten Bäume der Erde, werden locker 100 Meter hoch. Und sehr alt. Einige der amerikanischen Giganten sollen 2.000 oder gar 2.500 Jahre alt sein.

Ganz so alt sind die Mammutbäume im zoologisch-botanischen Garten „Wilhelma“ in Stuttgart zwar noch nicht … dennoch sahen Verwaltung und Gärtner gute Gründe dafür, den Geburtstag der beeindruckenden Gewächse gebührend zu feiern. Schließlich hatte kein Geringerer als König Wilhelm I. die Bäume aus Nordamerika nach Deutschland gebracht. Denn der ließ im Jahre 1864 von seinen Gärtnern in der Wilhelma die ersten importierten Samen aussäen:

„Über 5.000 kräftige Pflanzen konnten die Gärtner dann bis zum darauf folgenden Jahr heranziehen“, zeigen sich auch die heutigen Botaniker und Gärtner noch sehr beeindruckt.

Tatsächlich kamen der Erfolg und die vielen gesunden und kräftigen Pflanzen nämlich auch für Wilhelms Hofstaat ein wenig überraschend. Letztendlich waren all die Schösslinge für das kleine Gelände der Wilhelma zu groß und zu zahlreich, so dass viele davon an die Forstdirektionen im Land verteilt wurden: „Außerdem wurden einige Exemplare an Interessenten verkauft“, wissen die Wilhelma-Gärtner nach einem Blick in die Akten.

Und freuen sich darüber, wie viele Mammutbäume überlebten und nun 150 Jahre alt wurden. So wachsen in der Wilhelma selbst noch 35 der einst ausgesäten Bäume. Die werden hier zusammen mit nordamerikanischen Tieren wie Bison sowie Klapperschlange und Co. gepflegt. Schließlich ist die Wilhelma ja beides – Zoo und botanischer Garten.

Doch auch in ganz Württemberg begegnen einem die Baumgiganten, die wir Wilhelm und seinen Gärtnern verdanken: „Insgesamt 200 Mammutbäume aus dieser ersten, so genannten Wilhelma-Saat von 1864, existieren noch heute zwischen Bodensee und Odenwald“, erklären die Wilhelma-Gärtner.

Deutlich schlechter erging es dagegen vielen der Riesenbäume an ihrem natürlichen Standort. Denn in Amerika selbst wurden viele der Mammutbäume während der Zeit des Goldrauschs und des damit verbundenen Baubooms gefällt!

Waldbrände stellen für die Giganten dagegen kaum eine Gefahr dar, da Mammutbäume aufgrund ihrer dicken und faserigen Rinde gegen die in den Staaten nicht unüblichen Buschbrände weitgehend „immun“ sind. Zurück bleiben lediglich einige Brandnarben, und nach dem Feuersturm können die Samen der Mammutbäume, ohne störendes Unterholz und Konkurrenten, nur umso besser austreiben!

Auch von der Wilhelma wurde nun, zum Geburtstag, eine neue Baumgeneration ins Leben gerufen. Denn die Gärtner säten als besonderes Highlight, wie schon ihre Kollegen vor 150 Jahren, zum Geburtstag der deutschen Bestände neue Mammutbäume aus.

Die dabei genutzten Samen stammten direkt von den Wilhelma-Bäumen, die auf der Anlage längst ein eigenes, kleines Wäldchen bilden.

Übrigens zeigt sich auch der Naturschutzbund NABU gegenüber den Einwanderern weitgehend offen. Denn wenngleich der Mammutbaum kein einheimisches Gehölz sei, biete er dennoch in seiner Größe und Pracht Lebensraum für Vögel und Insekten!

Selbst König Wilhelm I. besuchte, wenngleich als Double, seine Bäumchen zum Geburtstag!

Beeindruckend präsentiert sich das Mammutbaumwäldchen im botanisch-zoologischen Garten Wilhelma.

Fotos: www.wilhelma.de

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